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Palforzia verschwindet vom Markt: Immuntherapie weiterhin möglich
Das Erdnusspräparat Palforzia zur oralen Immuntherapie bei Kindern und Jugendlichen wird vom Markt genommen. Für Betroffene bedeutet dies jedoch keinen Wegfall der Therapie: Auch ohne Fertigpräparat können kann diese weiterhin sicher durchgeführt werden.
Seit 2020 stand für Kinder und Jugendliche mit Erdnussallergie in der Schweiz das Präparat Palforzia zur Verfügung – ein standardisiertes Erdnussprotein zur oralen Immuntherapie (OIT). Nun wird das Medikament per 31. Juli aus kommerziellen Gründen vom Markt genommen. Was bedeutet das für betroffene Familien?
«Der Rückzug von Palforzia vom Schweizer Markt ist bedauerlich, da damit eine zugelassene, standardisierte und evidenzbasierte Therapieoption wegfällt», sagt Johannes Trück, Leiter der Abteilung Allergologie am Kinderspital Zürich. Für die klinische Praxis sei dies jedoch keine grundlegende Zäsur. Orale Immuntherapien mit Erdnussprotein würden seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt – insbesondere in spezialisierten Zentren, auch ohne zugelassenes Fertigpräparat. Palforzia sei eine regulatorisch klar definierte Option gewesen, aber nicht die einzige Möglichkeit, eine solche Therapie sicher und strukturiert umzusetzen. Für andere Lebensmittel wie Milch, Eier, Cashewnüsse und Haselnüsse gibt es bislang ebenfalls keine spezifischen Präparate, so dass auch dort die orale Immuntherapie mit natürlichen Lebensmitteln wie gemahlenen Haselnüssen oder handelsüblichen Haselnuss- oder Cashewgetränken durchgeführt wird.
Auch künftig werden Allergologinnen und Allergologen orale Immuntherapien mit Erdnussprotein anbieten. Voraussetzung sind eine sorgfältige Auswahl der Patientinnen und Patienten sowie eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Familien. «Ein Grossteil der Therapien erfolgt bereits heute mit standardisierten natürlichen Erdnussprodukten, etwa mit gemahlener Erdnuss», so Trück. Die Behandlung sei dabei in klar definierte Abläufe eingebettet und finde unter engmaschiger Begleitung von Allergologinnen und Allergologen statt.
Der Wegfall von Palforzia zeige jedoch, dass weiterhin Bedarf an zugelassenen, Produkten für die orale Immuntherapie oder an anderen Behandlungsformen von Nahrungsmittelallergien bestehe. An der grundsätzlichen Bedeutung der Therapie ändere dies nichts: In spezialisierten Zentren sei die orale Immuntherapie bei Erdnussallergie nach wie vor eine etablierte und wirksame Option.
Die orale Immuntherapie wird von zahlreichen Allergologie-Praxen und Spitälern in der Schweiz angeboten, vor allem für Kinder und Jugendliche. Einige wenige Zentren bieten diese Behandlung auch punktuell für erwachsene Patienten an. Eine Übersicht finden Sie hier, oder wenden Sie sich an Ihren Allergologen oder Ihre Allergologin.
Für weitere Fragen rund um Nahrungsmittelallergien steht die kostenlose aha!infoline zur Verfügung.