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Darmnervensystem und Allergien: was zeigt die Forschung?
Das Darmnervensystem, oft als «Bauchhirn» bezeichnet, spielt eine wichtige Rolle in der Verdauung und steht in engem Austausch mit dem Immunsystem. Eine aktuelle Grundlagenstudie untersuchte, wie Nervensignale im Darm Immunprozesse beeinflussen können. Die Ergebnisse stammen aus Tiermodellen. Wir haben dazu drei Fragen an Dr. Manuel Jakob, Erst-Autor der Studie, gestellt.
Zentrale Ergebnisse der Studie
In Mausmodellen untersuchten Forschende der Universität Bern und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, wie Signale aus dem Darmnervensystem die Entwicklung von Zellen in der Darmschleimhaut steuern. Im Fokus stand dabei der Botenstoff VIP (vasoaktives intestinales Peptid), der von Nervenzellen freigesetzt wird. Wird dieser Signalweg gestört, verändern sich bestimmte Zelltypen im Darm, und es werden Immunprogramme aktiviert, die für sogenannte Typ-2-Immunreaktionen typisch sind – also Reaktionen, die bei allergischen Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen.

Interview mit Dr. med. Manuel Jakob
Oberarzt Viszerale Chirurgie und Erst-Autor der Studie
Herr Dr. Jakob, was sagt Ihre Studie über allergische Mechanismen aus?
In Tiermodellen konnten wir zeigen, dass Signale aus dem Darmnervensystem Immunprozesse beeinflussen können, die auch bei Allergien eine Rolle spielen. Ob diese Mechanismen beim Menschen ähnlich ablaufen, ist derzeit offen. Die Ergebnisse helfen, die Komplexität allergischer Prozesse besser zu verstehen und unterstreichen, wie vielfältig dieses Krankheitsbild ist.
Warum ist die Forschung wichtig?
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nerven-, Immun- und Darmzellen eng miteinander kommunizieren und interagieren. Allergien sind keine isolierten Immunreaktionen, sondern entstehen im Zusammenspiel verschiedener Körpersysteme. Solche Studienergebnisse erweitern unser biologisches Verständnis.
Was bedeutet das konkret für Allergikerinnen und Allergiker?
Für Menschen mit Allergien ändert sich durch diese Studie derzeit noch nichts an der Behandlung. Die Ergebnisse helfen jedoch dabei, besser zu verstehen, wie Allergien im Körper entstehen und funktionieren. Dieses Wissen könnte in Zukunft dazu beitragen, neue Therapien zu entwickeln. Ausserdem zeigen unsere Daten, dass auch die Ernährung einen Einfluss auf diese Prozesse haben kann. Langfristig könnte das bedeuten, dass Allergien möglicherweise teilweise durch eine gezielte Ernährung beeinflusst oder sogar vorbeugend behandelt werden können. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass es oft lange dauert, bis Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung tatsächlich in konkrete Anwendungen für den Alltag umgesetzt werden.