Covid-19, Allergien und Asthma

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05.05.2026

Fleischallergie nach Zeckenbiss: das gibt es leider!

Der Name klingt so sperrig wie das Phänomen selbst: Beim Alpha-Gal-Syndrom handelt es sich um eine Allergie gegen einen Zucker, der in Fleisch von Säugetieren vorkommt. Auslöser ist der Speichel, der in der Schweiz am häufigsten vorkommenden Zeckenart, des Holzbocks. Das Syndrom unterscheidet sich von einer allgemeinen Nahrungsmittelallergie durch das verzögerte Auftreten, erst zwei bis sechs Stunden nach Fleischverzehr. Daher wird es oft übersehen oder es dauert lange, bis Betroffene die richtige Diagnose erhalten.

© by aha! Allergiezentrum Schweiz

Interview mit Dr. Michaela Bitzenhofer-Grüber
Allergologin am Inselspital Bern

 

Was ist das Alpha-Gal-Syndrom?

Beim Alpha-Gal-Syndrom (AGS) handelt es sich um eine Allergie gegen den Zucker Galactose-1,3-galactose, oft abgekürzt als Alpha-Gal, der im Fleisch von Säugetieren vorkommt. Ausgelöst wird die Allergie durch den Speichel des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus), der in der Schweiz die häufigste Zeckenart ist. Nicht jeder Zeckenbiss führt zu AGS, doch schon ein einzelner Biss kann genügen.
Das Besondere: Die Reaktion setzt erst zwei bis sechs Stunden nach dem Essen ein, oft mitten in der Nacht. Deshalb wird der Zusammenhang mit dem Fleischgericht oft nicht erkannt und viele Betroffene erhalten erst nach langer Suche die Diagnose.

Was sind mögliche Symptome?

Die Beschwerden können von leicht bis schwer reichen:

  • Hautausschlag, Nesselsucht, starkes Jucken
  • Schwellungen (Gesicht, Lippen, Augenlider)
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Atemnot, Engegefühl in der Brust, Schwindel
  • Im schlimmsten Fall: Anaphylaxie (lebensbedrohliche Ganzkörperreaktion)

Wie erhält man eine Diagnose?

Ein Bluttest weist spezifische IgE-Antikörper gegen Alpha-Gal nach. Ein Ernährungstagebuch, in dem Sie die Uhrzeit der Mahlzeit und den Beginn der Symptome notieren, kann hilfreich sein. Wenden Sie sich an eine Allergologin oder einen Allergologen.

Wie können sich Betroffene am besten schützen?

Im Falle eines AGS meiden Sie konsequent Säugetierfleisch (Rind, Schwein, Lamm, Wild, Pferd, Kaninchen, Ziege) und Gelatine. Geflügel und Fisch können Sie in der Regel problemlos konsumieren. Milchprodukte sollten Sie individuell auf Verträglichkeit testen (unter ärztlicher Begleitung). Tragen Sie bei Aufenthalten im Freien lange Kleidung und benutzen Sie konsequent Zeckenschutzmittel. Bei der Heimkehr sollte der ganze Körper gründlich untersucht werden. Schütteln Sie auch Ihre Haare gut aus und duschen Sie anschliessend am besten. Entdecken Sie eine Zecke, entfernen Sie diese sofort vollständig, ohne zu quetschen. Tragen Sie ein Notfallset mit einem Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor bei sich. Üben Sie die Anwendung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie sich konsequent vor Zecken schützen, haben Sie gute Chancen, dass sich die Allergie mit der Zeit abschwächt. Dies kann jedoch Jahre dauern und trifft nicht auf alle Betroffenen zu.

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?

Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn Sie nach dem Verzehr von Fleisch wiederholt unerklärliche allergische Reaktionen haben – insbesondere, wenn diese nachts auftreten oder Sie in der Vergangenheit Zeckenbisse hatten. Verlangen Sie gezielt einen Bluttest auf Alpha-Gal-IgE-Antikörper.

 Im Notfall
Bei Atemnot, Bewusstlosigkeit oder starkem Blutdruckabfall sofort den Notruf 144 wählen. Adrenalin-Autoinjektor einsetzen, falls vorhanden. Betroffene Person nicht alleine lassen.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Alpha-Gal-Syndrom wenden Sie sich an eine Allergologin oder einen Allergologen.

Anaphylaxie-Schulungen
Sie können die Anwendung der Adrenalin-Fertigspritze auch im Rahmen unserer Anaphylaxie-Schulungen üben. Diese vermitteln wichtiges Wissen über die schwerste Form allergischer Reaktionen und stärken die Handlungssicherheit im Alltag von Betroffenen und ihren Angehörigen.

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