Interview mit einer Betroffenen
Anita Marmet hat nach mehreren schweren allergischen Reaktionen auf Bienengift eine allergenspezifische Immuntherapie versucht. Im Interview spricht sie von ihren Erfahrungen.

Interview mit Anita Marmet
Insektengiftallergie-Betroffene
Wie hat sich Ihre Insektengiftallergie zum ersten Mal bemerkbar gemacht?
Ende der 90er-Jahre begannen mein Mann und ich mit der Imkerei. Wir fingen an, Bienen zu halten. Ich wurde von da an auch vermehrt von Bienen gestochen. Zuerst war das noch kein Problem. Mit der Zeit reagierte mein Körper aber bei jedem Stich etwas heftiger. Irgendwann bekam ich dabei Kreislaufprobleme und starke Atemnot, und musste notfallmässig im Spital behandelt werden. Bei einem Allergietest stellte sich später heraus, dass ich neben Bienen auch auf andere Insekten wie Wespen oder Hummeln allergisch bin.
Haben Sie eine Desensibilisierung versucht?
Ja, aber sie hat bei mir leider nicht angeschlagen. Rund sieben Jahre lang dauerte die Therapie. Regelmässig musste ich damals ins Spital, wo ich eine Spritze bekam, um meinen Körper schrittweise an das Gift zu gewöhnen. Leider bekam ich dadurch teils sehr heftige Allergiesymptome, auch nach mehreren Jahren noch. Die Therapie endete dann ohne Erfolg. Das war für mich und auch für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sehr frustrierend. Die Therapie ist schon einige Zeit her.
Könnten Sie sich vorstellen, nochmals eine Desensibilisierung auszuprobieren?
Ich habe schon darüber nachgedacht, ja. Mir macht die Vorstellung aber Angst, weil mein Körper damals sehr heftig auf die Spritzen reagiert hat.
Wie sind Sie ausgerüstet für den Notfall?
Ich trage immer eine Bauchtasche bei mir, wo meine Antihistamin-sowie Kortisontabletten und ein Adrenalin-Autoinjektor drin sind. Werde ich gestochen, muss ich die Medikamente nehmen. Und sobald allergische Symptome auftreten, braucht es die Adrenalin-Spritze. In meinem Umfeld wissen alle, dass sie mir diese sofort in den Oberschenkel verabreichen müssen, falls ich selbst es nicht mehr schaffe. Danach muss ich umgehend in ein Spital gebracht werden.
Wie gehen Sie mit Ihrer Allergie im Alltag um? Haben Sie oft Angst vor weiteren Stichen?
Im Alltag habe ich eigentlich keine grosse Angst. Ausser, wenn ich in die Nähe unserer Bienenhäuser gehen müsste, die mein Mann und ich weiterhin haben. Aber davon halte ich mich fern. Unwohl fühle ich mich auch, wenn ich in meiner Nähe eine Biene surren höre. Ich laufe dann einfach weg – mehr kann ich in diesen Momenten nicht machen. Zudem schütze ich mich im Sommer draussen mit einem Hut, und ich verzichte auf Parfüms und Duschgels mit Duftstoffen, weil sie Bienen anlocken könnten.