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07.09.2021

Atopisches Ekzem: Kortisoncreme richtig anwenden

Weil er vor Juckreiz nicht schlafen kann, cremen die Eltern den einjährigen Sohn seit drei Wochen mit einer kortisonhaltigen Salbe ein. Trotzdem will sein atopisches Ekzem (Neurodermitis) nicht abheilen. Es kann sein, dass die Creme nicht korrekt angewendet wurde.

Wenn sich der Hautzustand einer Person mit atopischem Ekzem trotz guter Basispflege verschlechtert, ist oft zusätzlich und in Absprache mit dem Arzt, der Dermatologin eine antientzündliche Therapie nötig. Bettina Ravazzolo, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz: «Ein wichtiger Bestandteil dieser äusserlichen Behandlung sind kortisonhaltige Cremen oder Salben.» Sie bewirken im Allgemeinen eine rasche Besserung der Beschwerden wie Juckreiz und Brennen und tragen dazu bei, dass Ekzeme rasch abheilen. Doch aus Angst vor Nebenwirkungen des Kortisons – die gemäss heutiger Studienlage nur sehr selten und vor allem bei falscher Dosierung oder Anwendungsdauer vorkommen – tragen betroffene Personen und Eltern betroffener Kinder die Präparate häufig zu dünn, zu selten oder nicht lange genug auf. Ein paar Tipps.

So viel wie nötig

Bei der Dosierung der Creme oder Salbe ist oft von der so genannten Fingerspitzen-Einheit – auch Fingertip-Unit genannt – die Rede. «Gemeint ist damit jene Menge des Präparats von der Fingerspitze bis zum ersten Fingergelenk einer erwachsenen Person», erklärt Bettina Ravazzolo. (Mehr Informationen dazu in der Broschüre «Kortison», S. 6). Wie viele dieser Einheiten notwendig sind, ist abhängig von der Hautstelle und oft nicht einfach zu merken. «In unseren Schulungen raten wir, jeweils so viel aufzutragen, bis man eine ununterbrochene glänzende Schicht auf der betroffenen Haut sieht», erklärt Ravazzolo.

So oft wie nötig

In der Regel wird das kortisonhaltige Produkt über eine bestimmte Zeit auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. «Der Arzt oder die Kinderärztin wird entsprechend des Schweregrads des Ekzems sowie der betroffenen Hautstelle ein Behandlungsschema verordnen», so Bettina Ravazzolo. Wichtig ist, dass die Therapie gemäss diesem Schema bis zu Ende durchgeführt und nicht bereits bei ersten Erfolgen zu früh beendet wird. Ansonsten kann das Ekzem zurückkommen.

Gut kombiniert

Auch während der Kortisonbehandlung ist es wichtig, die tägliche Basispflege weiterzuführen. Diese beinhaltet die tägliche Hautreinigung sowie die Anwendung eines Pflegeprodukts, das die Haut fettet und mit Feuchtigkeit versorgt. «Dabei wird lediglich auf jene Stellen die Basispflege aufgetragen, die nicht bereits mit Kortison eingecremt wurden», rät Bettina Ravazzolo. Auf diese Weise kann das Kortison am besten wirken.

Neben den Kortisonpräparaten stehen zur äusserlichen Behandlung des atopischen Ekzems auch Immunmodulatoren zur Verfügung. Ravazzolo: «Sie wirken auf bestimmte Immunzellen der Haut, welche für die Entzündung und den Juckreiz verantwortlich sind.» Diese Medikamente müssen vom Arzt, der Ärztin verschrieben werden.

Quelle: Chong JH et al. BMJ 2021; 372: n297; DOI: 10.1136/bmj.n297

Mehr Informationen zum Thema in unseren Broschüren «Atopische Dermatitis» und «Kortison».

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