Allergieprävention
Allergische Erkrankungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Ob ein Kind eine Allergie entwickelt, lässt sich nicht sicher verhindern. Einige Faktoren lassen sich jedoch beeinflussen. Die folgenden Empfehlungen zeigen, was Familien für die Gesundheit ihrer Kinder tun können.
Inhaltsübersicht:
Vererbte Veranlagung
Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle: Haben Eltern oder Geschwister Allergien, steigt das Risiko für das Kind. Ob eine Allergie tatsächlich entsteht, hängt jedoch massgeblich von Umweltfaktoren, dem Mikrobiom und frühen Ernährungseinflüssen ab. Genau hier setzen präventive Massnahmen an.
Ernährung der Mutter
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist für die werdende Mutter und das Kind wichtig. Der Verzicht auf einzelne Lebensmittel kann Allergien beim Kind nicht vorbeugen. Spezielle Ernährungsformen wie sehr fischreiche Kost zeigen ebenfalls keinen klaren präventiven Nutzen.
Art der Geburt
Die Art der Geburt kann das Allergierisiko beeinflussen, weil sie die frühe Zusammensetzung des Mikrobioms mitbestimmt. Vaginal geborene Kinder kommen mit der mütterlichen Vaginalflora in Kontakt; bei einem Kaiserschnitt dominiert die Hautflora.
Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommen sind, haben ein erhöhtes Risiko für Asthma, allergische Rhinitis und atopische Dermatitis. Ein Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien ist hingegen nicht eindeutig nachgewiesen.
Stillen
Stillen bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile und wird nach wie vor empfohlen. Der Einfluss auf die Entwicklung von Allergien ist jedoch nicht eindeutig belegt.
Wenn eine Mutter ausschliesslich stillen möchte, sollte in der ersten Lebenswoche – soweit medizinisch möglich – auf kuhmilchhaltige Säuglingsnahrung verzichtet werden. Studien zeigen, dass dies das Risiko einer Kuhmilchallergie senken kann. Wird zusätzliche Nahrung benötigt, sollten kuhmilchbasierte Produkte nicht nur gelegentlich, sondern regelmässig gegeben werden. Untersuchungen weisen darauf hin, dass gerade sporadische Gaben das Sensibilisierungsrisiko erhöhen können, während eine konsistente Gabe die Toleranzentwicklung unterstützt.
Für Säuglinge, die nicht oder nur teilweise gestillt werden, gibt es keine Empfehlung für oder gegen hydrolysierte Säuglingsnahrungen. Sojabasierte oder andere tierische Alternativen (z.B. Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch) eignen sich nicht zur Prävention von Allergien.
Ernährung des Säuglings (Beikost)
Die frühe Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Heute weiss man:
Das Meiden allergener Lebensmittel im Säuglingsalter schützt nicht vor Allergien.
Bei bestimmten Lebensmitteln kann die frühe Einführung sogar schützen. So wird ab dem fünften Lebensmonat zusätzlich zum Stillen die schrittweise Einführung von Beikost geraten.
Eiprodukte
- Einführung idealerweise im Alter zwischen vier bis sechs Monaten
- in gut erhitzter Form (z.B. Muffins, Brot, hartgekochtes Ei)
- danach regelmässig anbieten
Erdnüsse
Für Familien mit regelmässigem Erdnusskonsum:
- Einführung zwischen vier und sechs Monaten in altersgerechter Form (z.B. fein verarbeitete Erdnussbutter)
- anschliessend wöchentlich geben, um den Schutzeffekt zu erhalten
Vielfältige Ernährung
Eine breite Auswahl verschiedener Lebensmittel im ersten Lebensjahr wirkt sich positiv auf die Toleranzentwicklung aus und kann das Allergierisiko senken. Die Einführung sollte altersgerecht erfolgen und an die Ernährungsgewohnheiten der Familie angepasst werden, damit eine regelmässige Aufnahme gelingt.
Ernährung des Kleinkindes
Ab dem zweiten Lebensjahr können die Kinder das Gleiche essen, was der ganzen Familie angeboten wird. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig (siehe www.kinderandentisch.ch)
Probiotika, Präbiotika und Nahrungsergänzungsmittel
Derzeit gibt es keine Empfehlung, Probiotika, Präbiotika oder Vitaminpräparate zur Allergieprävention einzusetzen, weder für schwangere oder stillende Frauen noch für Säuglinge.
Hautpflege
Eine intakte Hautbarriere ist wichtig, um allergischen Erkrankungen vorzubeugen. Kinder mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) haben ein erhöhtes Risiko für Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinitis und Asthma. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung der Hauterkrankung kann dieses Risiko senken.
Dabei sollten keine Hautpflegeprodukte mit Lebensmittelallergenen verwendet werden. Eltern sollten sich vor das Eincremen die Hände waschen, um Hautsensibilisierungen durch direkten Hautkontakt mit Lebensmitteln zu vermeiden.
Mehr zum Thema atopische Dermatitis
Antibiotika im frühen Kindesalter
Antibiotika beeinflussen das Mikrobiom. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für allergische Erkrankungen, wenn Antibiotika in der Schwangerschaft oder im ersten Lebensjahr eingesetzt werden. Eine antibiotische Therapie sollte daher sorgfältig abgewogen und nur bei klarer medizinischer Notwendigkeit eingesetzt werden.
Rauchen
Raucht die Mutter während der Schwangerschaft oder ist sie Passivrauch ausgesetzt, erhöht sich für das ungeborene Kind das Risiko für Allergien und insbesondere für Asthma. Das Risiko wird zusätzlich erhöht, wenn das Kind nach der Geburt weiterhin von Passivrauch umgeben ist. Deshalb sollten während und nach der Schwangerschaft sowohl die Mutter als auch der Vater auf das Rauchen verzichten. Das Kind sollte in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen.
Haustiere
Welche Wirkung Haustiere auf die Entwicklung von Allergien haben, ist umstritten. Man geht davon aus, dass für Kinder und Erwachsene ohne erhöhtes Allergierisiko kein Grund besteht, auf ein Haustier zu verzichten.
Besteht jedoch ein erhöhtes Allergierisiko in der Familie, oder hat ein Kind bereits eine atopische Dermatitis, sollte keine neue Katze anschaffen. Von Hundehaltung wird nicht abgeraten.
Schadstoffe, Innenraumluft und Schimmel
Schadstoffe wie Formaldehyd oder flüchtige organische Verbindungen (VOC) können das Risiko für allergische Erkrankungen, insbesondere Asthma erhöhen. Bei der Verwendung von Produkten wie Klebstoffen, Wohntextilien oder Farben sollte deshalb auf schadstoffarme Inhaltsstoffe geachtet werden.
Wichtig:
- schadstoffarme Materialien verwenden
- regelmässig lüften (2–3× täglich, 5–10 Minuten)
- Luftfeuchtigkeit unter 50 % halten
Impfungen
Impfungen erhöhen das Allergierisiko nicht. Kindern – auch mit atopischer Veranlagung – wird empfohlen, dem Schweizerischen Impfplan zu folgen.
Körpergewicht
Ein gesundes Körpergewicht kann das Asthmarisiko oder den Schweregrad des Asthmas verringern. Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sind daher von früh an wichtig.
Berufswahl
Bei Jugendlichen mit erhöhtem Risiko kann die Berufswahl eine Rolle spielen. Bestimmte Tätigkeiten erhöhen das Risiko für Beschwerden. Eine individuelle Abklärung durch Fachpersonen kann helfen, passende Optionen zu finden.
Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat.
Letzte inhaltliche Überarbeitung der Webseite: 28.11.2025