Urtikaria (Nesselfieber/Nesselsucht)

Bei einer Urtikaria, auch Nesselfieber oder Nesselsucht genannt, bilden sich stark juckende Quaddeln auf der Haut wie beim Kontakt mit Brennnesseln. Auch Schwellungen (Angioödeme), vor allem im Gesicht, an den Lippen, Augenlidern oder an Händen und Füssen, können auftreten.

Hand mit typischen rötlichen Pusteln eines Nesselfiebers

Erfahren Sie im Video in zwei Minuten das Wichtigste zu Ursachen, Symptomen und Behandlung.

Erklärvideo: Was ist Urtikaria?

Fachliche Mitwirkung: wissenschaftlicher Beirat und Dr. med. Dr. phil Anna Gschwend
 

Ursachen

Bei einer Urtikaria werden Mastzellen aktiv, die Histamin freisetzen – es kommt zu Juckreiz, Quaddeln und Schwellungen. Diese häufige Hauterkrankung kann in jedem Alter auftreten und viele Auslöser haben. Oft findet man aber keinen klaren Grund.

Mögliche Auslöser sind:

  • Infektionen (z.B. der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts)
  • Allergien (z.B. auf Nahrungsmittel, Insektenstiche oder Medikamente)
  • Medikamente (z.B. Schmerzmittel, Antibiotika)
  • Körperliche Reize wie Kälte, Wärme, Druck, Licht oder Schweiss
  • Psychische Belastung (Stress) oder hormonelle Veränderungen
  • Autoimmunprozesse (das Immunsystem greift irrtümlich körpereigene Eiweisse an)

Formen

Urtikaria kann in zwei Formen auftreten: akut oder chronisch. Chronische Urtikaria wird wiederum in zwei Formen unterteilt: spontan und induzierbar.

Infografik Urtikaria

Bei einer akuten Urtikaria zeigt sich die Krankheit durch Schübe, die einmalig oder wiederholt auftreten. Die Quaddeln sind meist flüchtig und verschwinden oft innert Minuten oder Stunden wieder. Bei dieser Form treten in der Regel nach 6 Wochen keine Schübe mehr auf und somit ist meistens keine aufwendige Diagnostik nötig.

Tritt aber eine akute Urtikaria nach einem Wespen- oder Bienenstich, nach Medikamenten oder bestimmten Lebensmitteln auf, muss auch an eine allergische Reaktion gedacht werden. In solchen Fällen ist eine genaue Abklärung wichtig, um eine möglicherweise gefährliche Allergie auszuschliessen.

Chronische Urtikaria kann länger anhalten und immer wieder zurückkehren. Eine Abklärung durch einen Facharzt oder Fachärztin Allergologie oder Dermatologie ist sinnvoll, um möglicher Auslöser herauszufinden und eine wirksame Behandlung einzuleiten. Die spontane Form tritt ohne klaren Auslöser auf. Vermutlich spielen dabei Autoimmunprozesse eine Rolle – also eine Fehlsteuerung des Immunsystems, bei der die Mastzellen aktiviert werden. Die induzierbare Form entsteht hingegen nur durch bestimmte Reize wie zum Beispiel Kälte, Hitze oder Druck auf die Haut.

Zu die häufigsten Formen zählen:

Nach kräftigem Reiben, Kratzen oder unter enganliegender Kleidung bilden sich strichförmigen Quaddeln und die Haut juckt und brennt. Die Quaddeln klingen meist innert einer Stunde ab.

Innerhalb weniger Minuten bilden sich Quaddeln oder Angioödeme, wenn die Haut mit Kälte – kalter Luft/Wind, Flüssigkeiten oder festen Gegenständen – in Kontakt kam und dann wieder erwärmt wird. Die Hauterscheinungen halten normalerweise rund eine Stunde an. In schweren Fällen kann es zu Allgemeinreaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen.

Die Haut rötet sich und es bilden sich Quaddeln nach körperlicher/sportlicher Aktivität, aber auch nach passiver Erwärmung wie etwa durch ein warmes Bad. Bei einigen Betroffenen werden die Symptome auch durch emotionalen Stress und heisse, scharfe Speisen oder Getränke ausgelöst. Sie bleiben zwischen 15 und 60 Minuten bestehen.

Die Haut schwillt an und rötet sich, wenn Druck auf die Haut einwirkt. Die Hautreaktion tritt innerhalb von 30 Minuten bis zu 12 Stunden nach dem Druck auf, also verzögert, und kann bis zu 72 Stunden andauern.

Juckende und/oder brennende Quaddeln bilden sich, wenn die Haut sichtbarem und/oder ultraviolettem (UV)-Licht ausgesetzt wird. Die Hautveränderungen treten meisten innerhalb von wenigen Minuten auf.

Symptome

Hauptsymptome der Urtikaria (Nesselsucht) sind:

Quaddeln sind begrenzte, oberflächliche Hautschwellungen, die stark jucken und von Rötungen umgeben sind. Sie treten plötzlich auf und verschwinden meist innerhalb von 30 Minuten bis 24 Stunden.

Angioödeme sind tiefere, grössere Schwellungen der Haut oder Schleimhäute, oft an Lippen, Augenlidern, Händen, Füssen oder im Genitalbereich. Sie können Druckgefühl oder Kribbeln verursachen und bis zu 72 Stunden anhalten.

Bei der spontanen Urtikaria ist oft der ganze Körper betroffen, bei der induzierbaren Form meist nur die Hautstellen, die mit einem auslösenden Reiz in Kontakt kamen.

Diagnose

Bei einer akuten Urtikaria ist meistens keine aufwendige Diagnostik nötig, da die Krankheit in der Regel innerhalb von maximal sechs Wochen von selbst wieder ausklingt. Nur wenn der Verdacht besteht, dass die Urtikaria als Symptom einer allergischen Reaktion (zum Beispiel auf Nahrungsmittel, Medikamente oder Insektengift) aufgetreten ist, sind weitere Abklärungen sinnvoll.

Bei einer chronischen Urtikaria ist die Abklärung komplexer.

Der erste Schritt ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, der Ärztin (Anamnese). Dabei sollten Umstände wie Einnahme von Medikamenten, körperliche Anstrengung, Stress, Reisen sowie zeitliche Angaben zum Auftreten möglichst genau dokumentiert werden. Die Führung eines Tagebuchs über eine bestimmte Zeit kann dazu sehr hilfreich sein.

Bei der chronischen spontanen Urtikaria werden in der Regel weitere Untersuchungen durchgeführt, mit dem Ziel andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschliessen sowie mögliche Ursachen und Auslöser zu identifizieren.

Weisen Anamnese und körperliche Untersuchung auf eine chronische induzierbare Urtikaria hin, werden Provokationstests mit dem verdächtigten Auslöser durchgeführt. Mittels gängiger Messverfahren kann die Diagnose meist bestätigt und womöglich der individuelle Schwellenwert definiert werden, ab dem die Symptome ausgelöst werden.

Behandlung

Urtikaria lässt sich in der Regel gut behandeln. Je nach Form der Urtikaria stehen drei Hauptansätze zur Verfügung – einzeln oder kombiniert.

Manchmal hilft es bei Urtikaria schon, die eigenen Auslöser zu kennen und zu meiden. Wer weiss, was die Hautreaktion auslöst – etwa Kälte, Hitze, Druck, Stress oder bestimmte Medikamente– kann so neue Schübe oft vermeiden oder abschwächen.

Am häufigsten werden Antihistaminika der zweiten Generation verschrieben. Diese können auch in höherer Dosierung und über längere Zeiträume eingenommen werden. Wenn hochdosierte Antihistaminika allein nicht ausreichen, kann die Urtikaria zusätzlich mit Biologika behandelt werden. Diese modernen Medikamente sind meist Antikörper, die bestimmte körpereigene Substanzen oder Immunzellen hemmen und dadurch überschiessende Reaktionen des Immunsystems dämpfen. Bei schweren Urtikaria-Schüben können außerdem systemische Kortisonpräparate kurzzeitig eingesetzt werden.

Bei bestimmten Formen der chronisch induzierbaren Urtikaria – etwa bei Kälte-, Licht- oder cholinergischer Urtikaria – kann durch wiederholte Reizung eine vorübergehende Toleranz erreicht werden. Diese hält jedoch meist nur wenige Tage an, sodass die Anwendung – zum Beispiel tägliche kalte Duschen bei Kälteurtikaria – regelmäßig wiederholt werden muss. Da solche Verfahren stärkere Reaktionen oder Kreislaufprobleme auslösen können, sollten sie nur nach ärztlicher Absprache und gegebenenfalls unter ärztlicher Betreuung erfolgen.

3 Tipps

  • Auslöser erkennen und vermeiden
    Notieren Sie, wann und wodurch die Beschwerden auftreten – z.B. Kälte, Wärme, Druck, Stress oder bestimmte Medikamente. So lassen sich mögliche Trigger leichter erkennen und vermeiden.
  • Kühlung bei Juckreiz
    Kühle Umschläge oder Gels lindern den Juckreiz. Verwenden Sie jedoch keine extreme Kälte – besonders nicht bei Kälteurtikaria!
  • Bequeme Kleidung tragen
    Weite, weiche und atmungsaktive Kleidung verhindert Reibung und Druck auf der Haut. Auch kann es helfen, die Kontaktflächen zu vergrössern, etwa durch breitere Taschengriffe oder Topträger.

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Zahlen & Fakten

  • Urtikaria kann in allen Altersgruppen auftreten, auch bei Säuglingen und Kleinkindern. Frauen sind etwas mehr betroffen als Männer.
  • Etwa jeder fünfte Mensch macht in seinem Leben eine Episode mit Urtikaria durch. Die chronische Form betrifft in Europa rund 0,5% der Bevölkerung.
  • Chronische Spontane Urtikaria ist die häufigste Form an chronische Urtikaria 

Häufige Fragen und Antworten

Urtikaria kann durch verschiedene Auslöser entstehen, zum Beispiel durch bestimmte Infektionen, Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente, oder physikalische Reize wie Wärme oder Kälte, Infektionen oder Stress. In vielen Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen.

Kühlende Umschläge oder Lotionen können den Juckreiz lindern. Antihistaminika sind die häufigste medikamentöse Behandlung. Bei schweren oder wiederkehrenden Beschwerden, aber auch bei Verdacht auf einer Allergie sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Eine akute Urtikaria klingt meist innerhalb weniger Stunden bis Tage von selbst ab. Bestehen die Symptome länger als sechs Wochen, spricht man von einer chronischen Urtikaria, die ärztlich abgeklärt und gezielt behandelt werden sollte.

Nein, Urtikaria ist nicht ansteckend. Sie entsteht durch eine Überreaktion des körpereigenen Immunsystems und kann daher nicht auf andere Personen übertragen werden.

Wenn die Beschwerden häufig auftreten, länger anhalten oder sehr stark sind, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam. Besonders bei Schwellungen im Gesichts- oder Halsbereich oder bei Atembeschwerden sollte sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat und Dr. med. Dr. phil Anna Gschwend.

Letzte inhaltliche Überarbeitung der Webseite: 02.03.2026

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