Fünf Fragen an Alina Sara Hediger (36)

Wie wirkt sich Neurodermitis auf deinen Alltag aus?
Die Neurodermitis wirkt sich fast nicht mehr auf meinen Alltag aus. Ich achte auf meine Ernährung, meine Pflege und mein vegetatives Nervensystem. Die Neurodermitis begleitete mich und mein Immunsystem intensiv in meiner Jugend- und jungen Erwachsenenzeit. Wenn man sich nicht mehr auf den eigenen Körper verlassen kann, wird man zur Forscherin: Welche Waschmittel, Kleidungsstoffe, Lebensmittel und Pflegeprodukte vertrage ich? Und wie wirkt sich die Psyche auf meine Haut aus? Über die Jahre habe ich viel Wissen und Erfahrungen gesammelt, was enorm hilft.

Welche Faktoren triggern deine Neurodermitis?
Verschiedene Umweltfaktoren, wie Kälte und trockene Luft, oder wenn im Frühling alles spriesst. Hormonelle Schwankungen spielen eine Rolle, wenn ich meine Periode bekomme oder davor PMS (prämenstruelles Syndrom) auftritt. Manchmal triggert auch eine beginnende Erkältung meine Haut. Dann bilden sich ein paar Bläschen.

Was ist dein Geheimtipp gegen das Ekzem?
Bei jedem Menschen ist das sehr individuell. Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung wie auch aus meiner Praxiserfahrung als Kosmetikerin erzählen. Mein Tipp: Man sollte sich mit den drei Bereichen Hautpflege, Ernährung und vegetatives Nervensystem auseinandersetzen. Eine Art «Schönheit-von-innen-heraus-Konzept» für sich entwickeln. So kann man den Selbstheilungsprozess unterstützen. Es hilft, sich wohlzufühlen. Denn wenn man sich wohlfühlt, ist man meiner Meinung nach auch gesünder.

Wie reagiert dein Umfeld auf dein Ekzem?
Man sieht mir nichts mehr an. Früher war das anders. Da sah man es sofort. Meine Hände waren extrem stark betroffen. Mein Immunsystem war ein Desaster. Damals gab es auch wenig Wissen über atopische Ekzeme, da wir als Betroffene gefühlt ein Randthema waren. Für die Betroffenen sind es aber zentrale Lebensthemen. Heute begleite und berate ich Menschen in meiner kosmetischen Praxis mit solchen Problemen. Mein Umfeld reagiert mittlerweile sehr motivierend. Es bestärkt mich darin, meine Erfahrungen weiterzugeben.

Was wünschst du dir für die Zukunft für die Betroffenen?
Ich wünsche mir, dass wir ernster genommen und dass wir gesehen werden. Ich wünsche mir auch mehr Forschung zu den Zusammenhängen von Hormonhaushalt und Verdauung. Diese Themen sollten idealerweise miteinbezogen werden. Ich finde, man sollte der Hautpflege mehr Beachtung schenken und dies auch lehren. Das gilt grundsätzlich für alle Menschen, auch für diejenigen mit gesunder Haut. Die Haut ist unser grösstes Organ. Nicht zu vergessen: Sie verbindet auch das Innere mit dem Äusseren und umgekehrt.