Was ist Neurodermitis?

Die Ursachen des atopischen Ekzems, bekannt unter Neurodermitis sind vielfältig. Eine genetische Veranlagung, Umweltfaktoren sowie die in der Haut ablaufende Entzündung spielen dabei eine Rolle.

Ein Mangel, ein Ungleichgewicht oder eine Fehlfunktion von Stoffen (z.B. Eiweisse oder Fette), welche für den Aufbau der oberen Hautschicht verantwortlich sind, führt zu einer verminderten Hautbarriere. Dadurch verdunstet mehr Wasser und die Haut wird trocken. Zudem wird die Haut durchlässiger für Allergene und andere Umweltstoffe. Diese können Entzündungsreaktionen auslösen.

Neben den Veränderungen der Hautstruktur haben Faktoren wie Klima / Wetter, psychischer Stress, chemische Reize (z.B. Dusch- und Waschmittel) einen Einfluss auf den Hautzustand.

Die Auslöser für einen Neurodermitis-Schub sind von Person zu Person unterschiedlich und können sich im Laufe des Lebens ändern. Häufig spielen mehrere Faktoren eine Rolle, deshalb es ist oftmals schwierig, den oder die Auslöser zu bestimmen.

Beim atopischen Ekzem verändert sich der Hautzustand ständig. Es können folgende Symptome auftreten:

  • trockene, sensible Haut
  • Juckreiz
  • Rötungen
  • schuppende Haut
  • nässende Hautstellen
  • Krustenbildung
  • derbe Haut mit vergrössertem Relief
  • Knötchenbildung

Diese Symptome können sich gleichzeitig oder unterschiedlich stark zeigen. Je nach Alter der Betroffenen treten die Ekzeme an den typischen Hautstellen auf: Im Säuglingsalter sind hauptsächlich das Gesicht, der Oberkörper, die Hände und die Streckseiten der Arme und Beine betroffen. Bei Kleinkindern treten die Schübe vorwiegend in den Kniekehlen, Ellenbeugen, im Gesicht, Nacken und am Hals auf. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können zusätzlich Hand- und Fussekzeme beobachtet werden.

Es gibt keinen Labortest, um das atopische Ekzem festzustellen. Die Diagnose wird anhand der typischen, oben genannten Symptome gestellt. Dazu nötig ist ein ausführliches Gespräch zwischen dem Arzt, der Ärztin und den Eltern oder dem Betroffenen sowie eine Untersuchung der Haut. Atopische Erkrankungen im familiären Umfeld können ein wichtiger Hinweis sein.

Hauterkrankungen wie z.B. Psoriasis (Schuppenflechte) können manchmal ähnliche Symptome verursachen. Ausführliche Abklärungen beim Hautarzt, der Hautärztin (Dermatologe, Dermatologin) können dazu Aufschluss geben.

Die Basispflege ist die Grundlage der Behandlung. Sie besteht aus Hautreinigung und Hautpflege. So kann Infekten vorgebeugt werden und die Haut wird durch passende Pflegeprodukte mit Fett und Feuchtigkeit versorgt. Ein generelles «Pauschal-Pflegepräparat» für alle Betroffenen gibt es leider nicht.

Die Wahl des Pflegeproduktes sollte saisonal angepasst werden:

  • Im Winter bei kalter und trockener Luft eher fetthaltige Produkte wählen.
  • Im Sommer bei heisser und feuchter Luft werden Produkte mit geringem Fett-, dafür höherem Feuchtigkeitsanteil als angenehm empfunden.

Wenn sich der Hautzustand trotz guter Basispflege verschlechtert, ist oft zusätzlich eine antientzündliche Therapie nötig. Dazu stehen kortisonhaltige Cremen und Salben sowie Calcineurininhibitoren / Immunmodulatoren zur Verfügung.

Inzwischen gibt es ein neues Medikament, das Immunmodulatoren (Antikörper) enthält und unter die Haut gespritzt wird. Vorerst wird dieses Präparat bei Jugendlichen und Erwachsenen mit schwerem und therapieresistentem atopischem Ekzem eingesetzt.

Viele Betroffen leiden unter starkem Juckreiz. Durch Kratzen wird der Juckreiz zwar vorübergehend verdrängt, die Haut wird dadurch aber geschädigt, was den Juckreiz wiederum fördert. Die wichtigste Massnahme gegen den Juckreiz ist die Behandlung des Ekzems. Zusätzlich kann Folgendes helfen, den Juckreiz zu lindern: kühlen, hautfreundliche und atmungsaktive Textilien tragen, Umschläge und Verbände mit Schwarztee, Kochsalz oder Salben anwenden.

  • Schwitzen fördert den Juckreiz. Sich nachts daher nicht zu warm zudecken und tagsüber den Temperaturen angepasste Kleidung tragen.
  • Die unterste Kleiderschicht mit den Nähten nach aussen tragen, um eine Reizung auf der Haut zu verhindern
  • Auf Weichspüler verzichten, stattdessen eine kleine Menge Essig verwenden.
  • Entspannungstechniken (z. B. Yoga, progressive Muskelentspannung, autogenes Training) können helfen, mit psychischen Belastungen umzugehen.
  • Videos rund um das atopische Ekzem

 

Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat. Für Prävalenzzahlen siehe Quellenverweise.