Insektengiftallergie
Ob beim Picknick im Grünen oder beim Spaziergang im Wald: Ein Bienen- oder Wespenstich ist schnell passiert. Für die meisten Menschen ist ein Insektenstich schmerzhaft, bleibt aber in der Regel harmlos. Rund 3,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung reagieren aber allergisch auf Insektenstiche.
Insektengiftallergie – Das Wichtigste im Überblick
Woran du eine allergische Reaktion erkennst und wie du im Notfall richtig handelst, erfährst du auf dieser Seite. Wir erklären dir zudem, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und welche Insekten überhaupt Allergien auslösen.
Bei einer allergischen Reaktion auf Insektengift treten bereits wenige Minuten nach dem Stich Symptome auf. Es kann zu Hautreaktionen (Quaddeln, Juckreiz), Schwellungen im Gesicht, Bauchschmerzen, Atemproblemen und Herzrasen kommen. Im schlimmsten Fall erleiden Betroffene einen anaphylaktischen Schock.
Wenn die Symptome auf die Stelle des Stichs beschränkt bleiben, handelt es sich in der Regel nicht um eine allergische Reaktion. In diesem Fall unterscheidet man zwischen sogenannten normalen lokalen Reaktionen (Schwellung bis 10 cm Durchmesser, Rötung und Juckreiz) und schweren lokalen Reaktionen (Schwellung über 10 cm Durchmesser, leichtes Fieber und Unwohlsein).
Betroffene, die auf Insektengift allergisch reagieren, sollten immer das ärztlich verschriebene Notfallset bei sich tragen.
Dieses enthält in der Regel Antihistaminika sowie einen Adrenalin-Autoinjektor. Je nach Fall kann auch ein Medikament auf Kortisonbasis enthalten sein. Im Falle eines Stiches müssen die verschriebenen Medikamente sofort eingenommen werden, ohne auf Symptome zu warten. Im Falle einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) muss der Adrenalin-Autoinjektor angewendet und der Rettungsdienst alarmiert werden. Das gilt besonders auch dann, wenn jemand erstmals allergisch auf einen Insektenstich reagiert und noch über keine Notfallmedikamente verfügt.
Die allergenspezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) ist die einzige wirksame Therapie, die die Ursache der Allergie behandelt. Die Behandlung dauert zwischen 3 und 5 Jahren und führt zu einem vollständigen Schutz bei 80-85% der Bienengiftallergiker und bis zu 95% der Wespengiftallergiker.
Wie hat sich Ihre Insektengiftallergie zum ersten Mal bemerkbar gemacht?
Ende der 90er-Jahre begannen mein Mann und ich mit der Imkerei. Wir fingen an, Bienen zu halten. Ich wurde von da an auch vermehrt von Bienen gestochen. Zuerst war das noch kein Problem. Mit der Zeit reagierte mein Körper aber bei jedem Stich etwas heftiger. Irgendwann bekam ich dabei Kreislaufprobleme und starke Atemnot, und musste notfallmässig im Spital behandelt werden. Bei einem Allergietest stellte sich später heraus, dass ich neben Bienen auch auf andere Insekten wie Wespen oder Hummeln sensibilisiert bin.
Haben Sie eine Desensibilisierung versucht?
Ja, aber sie hat bei mir leider nicht angeschlagen. Rund sieben Jahre lang dauerte die Therapie. Regelmässig musste ich damals ins Spital, wo ich eine Spritze bekam, um meinen Körper schrittweise an das Gift zu gewöhnen. Leider bekam ich dadurch teils sehr heftige Allergiesymptome, auch nach mehreren Jahren noch. Die Therapie wurde dann abgebrochen. Das war für mich und auch für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sehr frustrierend. Die Therapie ist schon einige Zeit her.
Könnten Sie sich vorstellen, nochmals eine Desensibilisierung auszuprobieren?
Ich habe schon darüber nachgedacht, ja. Mir macht die Vorstellung aber Angst, weil mein Körper damals sehr heftig auf die Spritzen reagiert hat.
Wie sind Sie ausgerüstet für den Notfall?
Ich trage immer eine Bauchtasche bei mir, wo ein Adrenalin-Autoinjektor drin ist. In meinem Umfeld wissen alle, dass sie mir diese Notfall-Spritze sofort in den Oberschenkel verabreichen müssen, wenn ich gestochen werde – falls ich selbst es nicht mehr schaffe. Danach muss ich umgehend in ein Spital gebracht werden.
Wie gehen Sie mit Ihrer Allergie im Alltag um?
Haben Sie oft Angst vor weiteren Stichen? Im Alltag habe ich eigentlich keine grosse Angst. Ausser, wenn ich in die Nähe unserer Bienenhäuser gehen müsste, die mein Mann und ich weiterhin haben. Aber davon halte ich mich fern. Unwohl fühle ich mich auch, wenn ich in meiner Nähe eine Biene surren höre. Ich laufe dann einfach weg – mehr kann ich in diesen Momenten nicht machen. Zudem schütze ich mich im Sommer draussen mit einem Hut, und ich verzichte auf Parfüms und Duschgels mit Duftstoffen, weil sie Bienen anlocken könnten.
Anita Marmet
Honigbienen:
Die Honigbiene gehört neben der Wespe zu den häufigsten Auslösern von Insektengiftallergien. Sie verliert nach dem Stich ihren Stachel und stirbt dabei. Der Stachel bleibt in der Haut stecken, weil er über einen Widerhaken verfügt.
Wespen:
Von allen Wespenarten sind vor allem Kurz- und Langkopfwespen für allergische Reaktionen verantwortlich. Beim Zustechen verlieren sie ihren Stachel nicht. Sie können auch mehrfach stechen. Kurzkopfwespen fühlen sich von Essen und Getränken angezogen, darunter vor allem Süsses. Stiche der Langkopfwespen treten eher in Nestnähe auf.
Hornissen:
Hier kommt es seltener zu Stichen als bei Bienen und Wespen. Sowohl die Europäische als auch die Asiatische Hornisse kann allergische Reaktionen verursachen. Wie die Wespe kann auch die Hornisse mehrfach zustechen. Stiche kommen mehrheitlich in Nähe von Nestern vor.
Hummeln:
Hummeln stechen selten, haben jedoch auch allergisches Potenzial. Sie stechen nur zu, wenn sie sich bedrängt fühlen. Wer auf Bienen und Wespen reagiert, kann theoretisch auch bei Hummeln allergische Symptome entwickeln.
Eher selten:
Mücken:
Viele Menschen entwickeln nach einem Mückenstich starke lokale Reaktionen wie Juckreiz, eine Rötung oder Schwellung. In den meisten Fällen ist das harmlos. Selten kann es sich dabei auch um eine Allergie handeln.
Ameisen:
Ameisen haben Beisswerkzeuge, die sie zur Abwehr einsetzen. Ein solcher Ameisenbiss kann brennen und jucken. In Europa heimische Ameisenarten lösen jedoch nur sehr selten allergische Reaktionen aus. Allergische Reaktionen auf andere Ameisenarten, beispielsweise aus Australien oder Südamerika, können vorkommen, sind jedoch selten.
Spinnen:
In der Schweiz heimische Spinnenarten sind für Allergikerinnen und Allergiker meist ungefährlich: Ihr Gift ist für Menschen zu schwach, und die Giftklauen können die Haut nicht durchbohren. Andere Arten, die etwa in Australien vorkommen, können in seltenen Fällen allergische Reaktionen verursachen.
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