Bern, 14. November 2013


Für mehr Sicherheit bei Einkauf, Konsum und Restaurantbesuch

Die Stiftung aha! Allergiezentrum Schweiz zeichnet in diesem Jahr vier Personen für besondere Leistungen im Bereich Gastronomie und Ernährung aus. Mit je einem aha!award werden folgende Arbeiten prämiert: eine Bachelor-Thesis an der Berner Fachhochschule zum Allergenmanagement in Restaurants, die ausserordentliche Teamarbeit beim Umbau einer ehemaligen Teigwarenfabrik in ein Zentrum für die Produktion glutenfreier Nahrungsmittel sowie das jahrelange Engagement einer Geschäftsfrau und Mutter zugunsten Zöliakiebetroffener.

Mit ihrer Bachelor-Arbeit «Kritische Kontrollpunkte bezüglich Nahrungsmittelallergie auslösender Substanzen in einem Restaurant» hat Bettina Erni die Jury des aha!award überzeugt. Die 22-jährige Absolventin der Berner Fachhochschule (Studiengang Ernährung und Diätetik) beobachtete und untersuchte die Abläufe in einem Restaurant auf mögliche Gefahrenquellen bezüglich Allergene und auf unbeabsichtigte Verunreinigungen (Kontaminationen) beim Kochprozess. Die ihrer Arbeit zugrunde liegende Methode kann zu einem tauglichen Konzept für Restaurants weiterentwickelt werden, die sich auf die besonderen Bedürfnisse von Gästen mit Nahrungsmittelallergien spezialisieren möchten. Ein mögliches berufliches Ziel auch für die aha!award-Preisträgerin. Zwei Studentinnen der Berner Fachhochschule (Fachgebiet Gesundheit) planen nun auf der Basis von Bettina Ernis Bachelor-Thesis weitergehende Erhebungen. Sie werden diese auf mehrere Gastronomiebetriebe ausdehnen.

Engagierte Teamarbeit
Planung und Umbau einer ausgedienten Teigwarenfabrik im emmentalischen Huttwil in ein Zentrum für die Produktion glutenfreier Nahrungsmittel (JOWA) wurde in sehr kurzer Zeit, zwischen Herbst 2010 und Frühling 2012, realisiert und von einem engagierten Projektteam geführt. Stellvertretend für dieses Team werden zwei Lebensmittelingenieurinnen mit einem aha!award ausgezeichnet. Martina Zinsli hat als Projektleiterin den Umbau geleitet, eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die Bedürfnisse von Betroffenen abgeholt, sie miteinbezogen und vernetzt. Alexandra Burri hat sich auf die Entwicklung und Verfeinerung von Rezepturen glutenfreier Nahrungsmittel spezialisiert und damit Neuland betreten. Betroffene profitieren inzwischen von einem immer breiteren Sortiment an geeigneten Produkten im Detailhandel, vermehrt auch in Gastronomiebetrieben. Es sind zudem Nahrungsmittel, die gänzlich in der Schweiz produziert werden.

Beharrlich und im Alleingang
Beatriz Schreib, mit einem aha!award 2013 für besondere Verdienste ausgezeichnet, hat dank jahrelanger Überzeugungsarbeit entscheidend daraufhin gewirkt, dass der Schweizer Detailhandel heute ein breites Angebot an glutenfreien, mehrheitlich in der Schweiz produzierten Nahrungsmitteln führt. Und das mit Erfolg. Aktiv wurde sie, als die Ärzte bei ihrer damals 5-jährigen Tochter Zöliakie diagnostizierten. Beatriz Schreib realisierte schnell: geeignete Produkte waren nur in grösseren Reformhäusern erhältlich, ganz im Gegensatz zur Situation in Spanien. Dort setzte sich die engagierte Mutter mit einem grossen Backwarenhersteller in Verbindung, um die Vertretung glutenfreier Produkte für die Schweiz zu übernehmen. Bei grossen Detailhändlern, Reformhaus- und Drogerieketten stiess sie aber über längere Zeit auf taube Ohren. Man sprach von einem «Nischenmarkt», der zu wenig Umsatz generieren würde. Monatelange Verhandlungen folgten, ohne finanzielle Absicherung. Ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus: Ab 2004 nahm einer der grossen Schweizer Detailhändler eine Auswahl an Produkten des spanischen Backwarenherstellers ins Sortiment der grossen Stores auf. Dank Beatriz Schreibs Initiative waren sie in der Folge auch in den Läden mit kleinen Verkaufsflächen erhältlich.

Betroffene im Alltag unterstützen
Der aha!award prämiert innovative, praxisorientierte Ideen und Konzepte, überzeugende Lösungen und besondere Verdienste, die für Menschen mit Allergien und Intoleranzen einen Mehrwert oder direkten Nutzen haben, sie im Umgang mit Einschränkungen unterstützen. Die Arbeiten werden von einer unabhängigen Jury beurteilt und bewertet. Der aha!award steht unter dem Patronat des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Mehr Informationen zum aha!award.

Eingabefrist für Bewerbungen ist jeweils der 30. Juni des laufenden Jahres. Das Antragsformular und die Dokumentation sind bei der Geschäftsstelle erhältlich (info@aha.ch, Tel. 031 359 90 00).

Die prämierten Projekte 2013:

Fotos der Preisträgerinnen in hoher Auflösung

Zur Fotogalerie aha!award 2013
 

Medienkontakt: Annelise Lundvik (Medienverantwortliche), annelise.lundvik@aha.ch