Kaum ist das Antibiotikum geschluckt, juckt die Haut. Viele glauben darum, an einer Penicillin-Allergie zu leiden. Dabei trifft die Diagnose oftmals nicht oder nicht mehr zu. Immunologen und Allergologen aus der Schweiz und nun auch aus Australien und den USA haben festgestellt, dass nur etwa zehn Prozent der vermeintlich Betroffenen auch wirklich gefährdet sind.

Renommierte Schweizer Allergologen weisen in der Fachzeitschrift «Swiss Medical Forum» darauf hin, dass bei der ärztlichen Untersuchung etwa jeder zehnte Patient angebe, unter einer Penicillin-Allergie zu leiden. Dabei vertrage die Mehrheit von ihnen – nämlich 85 bis 90 Prozent – Penicilline eigentlich gut, so die Ärzte.

Die häufigsten Gründe für Fehldiagnosen
Infekte erfordern oftmals die Einnahme eines Antibiotikums. Kommt daraufhin eine Reaktion der Haut hinzu, wird er automatisch als allergische Reaktion interpretiert. Dabei kann ein Infekt per se unter der Behandlung mit einem Penicillin-Präparat und ohne zugrunde liegende Penicillin-Allergie zu diesen Symptomen führen. Oft sind infektiöse Hautausschläge, Durchfall oder Übelkeit «nur» gängige Nebenwirkungen von Antibiotika und keine Allergie. Und auch Nesselfieber (Urtikaria), so die Spezialisten, kann sich unter einer Penicillin-Therapie verschlimmern und falsch gedeutet werden. «Die Diagnose bleibt dann für viele Jahre bestehen, ohne überprüft zu werden», ergänzt Sereina de Zordo, Expertin von aha! Allergiezentrum Schweiz.

Elementar: eine sorgfältige Abklärung
Bei Verdacht auf eine Penicillin-Allergie können diverse Tests durchgeführt werden. «Für den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin ist es hilfreich, wenn die Symptome notiert werden», erklärt Sereina de Zordo, «ein Foto der Hautreaktionen ist zusätzlich dienlich.» Begonnen wird meist mit einem Hauttest. Fällt dieser positiv aus, ist der Fall klar. Bei einem negativen Ergebnis kann eine Allergie jedoch nur bedingt ausgeschlossen werden; dann braucht es weitere Analysen wie ein spezifischer Antikörper-Test oder eine Provokationstestung. Wer positiv getestet wurde, muss jedoch nicht ein Leben lang als Allergiker gelten. De Zordo: «Die Zahl der Antikörper sinkt im Lauf der Jahre und verschwindet manchmal sogar ganz.» Bei den meisten Patienten fällt nach zehn Jahren der Hauttest wieder negativ aus, so dass sie Penicillin wieder ohne Probleme einnehmen könnten.

Vorsicht vor Resistenzen
Eine gründliche Abklärung im Verdachtsfall ist aber immer wichtig: Antibiotika, die bei Patienten mit vermuteter Allergie alternativ eingesetzt werden, haben häufig ein breiteres Wirkspektrum als Penicilline. Der übermässige und unnötige Einsatz solcher Breitspektrum-Antibiotika erhöht das Risiko für Resistenzen. Das bedeutet: Die Bakterien reagieren nicht mehr auf den Wirkstoff – die Antibiotika sind nicht mehr wirksam.


aha! Allergiezentrum Schweiz hilft

  • Mehr Informationen über Medikamentenallergien im Allgemeinen finden sich auf unserer Webseite und in unserer Broschüre «Medikamente: Allergien und Unverträglichkeiten».
  • Fachpersonen der aha!infoline beantworten persönliche Fragen: Montag bis Freitag, 08.30–12.00 Uhr, Tel. 031 359 90 50.