Sie begleitet nun unseren Alltag: die Schutzmaske, die Viren von uns fernhält und die wir gemäss Entscheid des Bundesrats in vielen Situationen tragen müssen. Die meisten Menschen tragen die Maske ohne Probleme, Betroffene von Atemwegserkrankungen haben aber manchmal Mühe – und auch Fragen, die Dr. med. Lukas Jörg, stellvertretender Leiter der Allergologisch-Immunologischen Poliklinik am Inselspital Bern beantwortet.


Für Menschen mit allergischem Asthma ist das Tragen einer Schutzmaske schwierig: Viele Betroffene geben an, dass sie durch die Maske nicht richtig atmen können. Warum?
Lukas Jörg: Das Tragen einer Maske ist zu Beginn meist ungewohnt. Masken erzeugen durch das mehrlagige Material einen gewissen Widerstand beim Ein- und Ausatmen. Das kann das Gefühl wecken, dass man zu wenig Luft bekommt oder schlechter atmen kann. Das kann bei Menschen mit Atemwegserkrankungen Ängste hervorrufen, obwohl sie eigentlich genug Sauerstoff erhalten.

Gibt es für die Betroffene denn die «richtige» Maske, die schützt, aber auch das Atmen möglichst wenig behindert?
Die Hygienemasken oder chirurgischen Masken bestehen in der Regel aus Vliesstoff und weichen Fasern, welche am Gesicht nicht dicht abschliessen. Sie sind daher gut luftdurchlässig und das Atmen wird wenig behindert. Man bekommt auf alle Fälle genug Luft und auch genügend Sauerstoff. Sie sind zudem angenehmer und einfacher zu tragen als eine mehrlagige Textilmaske oder eine filtrierende Atemschutzmaske (mit einem Filtering face piece (FFP) bzw. FFP2- / FFP3-Maske), wie sie das medizinische Personal teilweise trägt.

Was aber, wenn ich als Asthmatikerin auch mit einer Hygienemaske Probleme habe?
Gerade zu Beginn kann das Tragen der Maske Angst, Engegefühl und Stress auslösen. Daher ist es wichtig, sich langsam an die Maske zu gewöhnen, am besten in den eigenen vier Wänden. Dabei kann folgendes Vorgehen helfen: Probieren Sie die Masken in Ruhe zu Hause aus, zuerst allenfalls nur für kurze Zeit. Zudem gibt es verschiedene Modelle, finden Sie heraus, welches für Sie am angenehmsten ist. Das Tragen ist meist Gewöhnungssache und für die meisten Personen mit Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen gut möglich. Mit Maske sollte man alles etwas langsamer angehen, um zu sehen, wie sich das Atmen anfühlt. Es kann helfen, möglichst ruhig und eher flach zu atmen – am besten in den «Bauch» hinein. Auch ist es nützlich, sich möglichst mit anderen Dingen zu beschäftigen und nicht auf die Maske zu achten.

Es gibt aber betroffene Menschen, die dennoch Probleme haben werden. Was können sie tun?
Gemäss BAG sind gewisse Personen von der Maskenpflicht ausgenommen, nämlich wenn sie hauptsächlich aus medizinischen Gründen keine Masken tragen können. Am besten ist es, dies mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin zu besprechen. Falls das Tragen einer Maske nicht zumutbar ist, können diese eine entsprechende Bescheinigung ausstellen. 

Betroffene mit Attest klagen, dass sie keinen Eintritt ins Restaurant oder den Laden erhalten. Was kann man tun?
Es ist immer am besten, ruhig und sachlich das Gespräch zu suchen. Es ist für alle eine herausfordernde Situation, alle möchten es «richtig» machen und möglichst kein Risiko eingehen. Meist findet sich im Gespräch eine für beide Parteien gangbare Lösung. Oft hilft es bereits, wenn ein ärztliches Attest vorgewiesen werden kann.

Gehören denn eigentlich Menschen mit Asthma zu den Risikogruppen der COVID-19-Pandemie?
Menschen mit schwerem Asthma gehören zur Risikogruppe und sollen sich besonders schützen gemäss den Massnahmen für besonders gefährdete Menschen (siehe BAG). Wichtig ist es, sich bei einer Verschlechterung der asthmatischen Symptome an einen Arzt zu wenden. Zwar haben in der Schweizer Bevölkerung zirka 2 bis 8 Prozent aller Menschen Asthma, aber nur ein kleiner Teil hat schweres Asthma. Personen mit leichtem oder gut eingestelltem Asthma sind durch das Corona-Virus nicht stärker gefährdet als Gesunde.