Es ist bekannt, dass rohe Milch eine Schutzwirkung gegen Allergien hat. Nun haben Forschende herausgefunden, dass sie auch weniger allergen ist als hitzebehandelte Milch wie Past oder UHT.

Milch steht bei vielen Menschen auf dem täglichen Speisezettel. Vor Tausenden von Jahren haben wir begonnen, Kuhmilch zu konsumieren. Früher Rohmilch, seit dem späten 19. Jahrhundert pasteurisiert und homogenisiert. In dieser Form ist die Milch haltbarer und frei von möglicherweise schädlichen Bakterien. Die industrielle Verarbeitung kann jedoch Nachteile haben, so schützt behandelte Milch weniger vor Allergien und Asthma als Rohmilch. Das haben Studien bereits gezeigt. Niederländische Forschende fragten sich nun, ob verarbeitete Milch womöglich selber auch allergener ist als Rohmilch.

Ernährung verändern durch mehr Verständnis
Und tatsächlich: Sie wiesen sowohl bei Mäusen wie auch mit Provokationstest beim Menschen nach, dass rohe, also unverarbeitete Kuhmilch und ihre ursprünglichen Molkenproteine weniger allergen sind als ihre verarbeiteten Pendants. Ihre Studie ergänze die bekannten, vor Allergien schützenden Eigenschaften von Kuhmilch, schreiben die Autorinnen und Autoren. Und sie unterstreiche den Bedarf an minimal verarbeiteter Milch; so seien zum Beispiel die Risiken der in der Studie verwendeten zertifizierten, streng kontrollierten Rohmilch sehr gering gewesen. Da ein Nullrisiko jedoch nie erreicht werden kann, empfiehlt die WHO den Konsum von Rohmilch nicht. Die Wissenschaftler hoffen aber, dass durch die Aufklärung über die allergische Schutzwirkung von Rohmilch und das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen neue Ernährungskonzepte für ein sicheres Allergiemanagement entstehen können.


Quelle:
Abbring S. et al.: Milk processing increases the allergenicity of cow’s milk—Preclinical evidence supported by a human proof‐of‐concept provocation pilot. In: Clin Exp Allergy. 2019 Jul; 49(7): 1013–1025