Welche Rolle spielen Organisationen wie aha! Allergiezentrum Schweiz in unserem Gesundheitssystem? Ständerat Hans Stöckli – Präsident der Schweizerischen Gesundheitsligenkonferenz (GELIKO), die die Interessen von Menschen mit chronischen Krankheiten in der Politik vertritt – erklärt, warum die Ligen unersetzbar sind. Hans Stöckli tritt wieder zu den Ständeratswahlen im Oktober an.

Herr Stöckli, Sie sind ausgewiesener Gesundheitspolitiker und müssen es wissen: Wie krank ist unser Gesundheitswesen wirklich?

Hans Stöckli: Wir haben in der Schweiz eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung, die allen zugänglich ist. Diese Qualität gilt es hoch zu halten. Doch wir müssen dringend das Kostenwachstum in den Griff bekommen. Das Gesamtsystem muss wirtschaftlicher, das heisst effizienter und effektiver werden.

Und wie soll dies geschehen?

Die Leistungserbringer werden sowohl die Menge als auch die Qualität ihrer Arbeit erhöhen müssen, und zwar ohne dass ihnen zwingend mehr Geld zur Verfügung stehen wird. Das bedingt eine Überprüfung der noch sehr fraktionierten Strukturen, eine effektivere Gestaltung der Leistungen, eine bessere Zusammenarbeit unter den Akteuren und eine stärkere Einbindung der betroffenen Menschen.

Wir gehen davon aus: Sie werden wieder gewählt – wie wollen Sie im Ständerat konkret dazu beitragen?

Ich werde die Umsetzung der eidgenössischen Vorlage über Qualität und Wirtschaftlichkeit eng verfolgen, ebenso die Einführung der von mir verlangten Medikationsliste. Ich setze mich für mehr staatliche Steuerung im Bereich der Spitalinfrastrukturen ein. Da es wichtig ist, dass die Prämien bezahlbar bleiben, sammle ich Unterschriften für die «Prämienentlastungsinitiative». Allein mit der Einführung eines Verbotes der Tabakwerbung könnten jährlich Kosten von 1 Mia. Schweizer Franken eingespart werden. Auch für diese von mir angestossene Initiative werde ich im Parlament kämpfen. In meinem Fokus ist auch das Stiefkind Prävention – sie muss unbedingt verstärkt werden.

Welche Rolle in unserem Gesundheitssystem spielen Gesundheitsligen wie die Stiftung aha! Allergiezentrum Schweiz?

Eine enorm wichtige! Als Präsident der Gesundheitsligenkonferenz (GELIKO) weiss ich: Die Ligen sind oft erste Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen. Hervorzuheben ist insbesondere die präventive Wirkung ihrer Arbeit.

So braucht es gemeinnützige Organisationen wie aha! Allergiezentrum Schweiz auch weiterhin? 

Unbedingt. Unser Gesundheitssystem würde kollabieren, wenn die gemeinnützigen Gesundheitsorganisationen mit über 1‘100 Vollzeitstellen nicht tagtäglich Leistungen im Umfang von rund 300 Millionen Franken pro Jahr erbringen würden. Dieser Einsatz ist für unsere Gesundheitsversorgung von unschätzbarem Wert. Ich bin überzeugt, dass ihre Rolle in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Inwiefern?

Die Lebenserwartung der Menschen steigt und damit nehmen die chronischen Krankheiten zu. In diesem Bereich erbringen die Gesundheitsligen, die notabene 60 Prozent ihrer Ausgaben durch private Spendengelder finanzieren, einen immensen Mehrwert.

Worin sehen Sie die Stärken und Möglichkeiten der GELIKO, die die Gesundheitsligen – und damit auch aha! Allergiezentrum Schweiz – vertritt?

Die Gesundheitsligen verfügen über eine hohe Fachkompetenz, sie sind stark regional verankert, haben eine gesunde Nähe zu den Patientinnen und Patienten und geniessen daher ein grosses Vertrauen. Die Bündelung der Kräfte unter dem gemeinsamen Dach der GELIKO ist wichtig, um für die Anliegen von chronisch Kranken Gehör zu finden. Gestützt auf die praktische Erfahrung unserer Fachleute aus der Arbeit mit Betroffenen und Angehörigen, können wir mit guten Argumenten die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen mitgestalten. In Zukunft müssen jedoch auch wir unsere Strukturen vereinfachen, vermehrt kooperieren und gemeinsam für die Anliegen unserer Betroffenen eintreten – auch in der Öffentlichkeit.

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