Dr. Bettina Bogatu, Kinderärztin und Allergologin, erklärt im Interview, wie die Behandlung funktioniert und was Eltern dazu wissen sollten.

Dr. Bettina Bogatu
Kinderärztin und Allergologin
Wer unter einer Hausstaubmilbenallergie leidet, im Alltag dadurch beeinträchtigt ist und die daran langfristig etwas ändern möchte, sollte sich unbedingt beraten lassen. Für viele Betroffene kommt eine spezifische Immuntherapie infrage.
Zuerst muss eindeutig nachgewiesen sein, dass die Beschwerden tatsächlich durch Hausstaubmilben verursacht werden. Ein positiver Allergietest allein reicht dafür nicht aus. Entscheidend ist, dass das Testergebnis zu den tatsächlichen Beschwerden passt.
Vor Beginn einer spezifischen Immuntherapie sollten zudem allergenreduzierende Massnahmen umgesetzt werden. In manchen Fällen lässt sich die Situation dadurch bereits gut kontrollieren.
Reichen diese Massnahmen nicht aus und der Leidensdruck ist hoch, kann die spezifische Immuntherapie eine sehr sinnvolle Möglichkeit sein. Das gilt besonders, wenn sich aus der Allergie bereits ein durch Hausstaubmilben ausgelöstes Asthma entwickelt hat. Die Therapie kann helfen, die Beschwerden langfristig zu verringern.
Wenn die Beschwerden und der Leidensdruck nur gering sind. Selten ergibt sich auch in der Diagnostik ein Bild, bei dem eine spezifische Immuntherapie weniger gut wirken wird. Dann muss man gut besprechen, ob diese trotzdem versucht werden soll. Es gibt zudem Vorerkrankungen, die gegen eine spezifische Immuntherapie sprechen könnten. Das kommt allerdings nur selten vor und wird vor Beginn der Therapie abgeklärt.
Eine spezifische Immuntherapie hat das Potential, den Verlauf der Hausstaubmilbenallergie langfristig zu verbessern. Sie ist die einzige Therapie, die nicht nur die Symptome bekämpft, sondern die Ursache der Beschwerden angeht.
Für viele Betroffene bedeutet dies: Sie haben deutlich weniger Beschwerden und benötigen gleichzeitig weniger Medikamenten.
Leider kann man keine Erfolgsgarantie abgeben. In seltenen Fällen tritt trotz korrekt durchgeführter Immuntherapie keine Besserung ein.
Studien zeigen, dass eine spezifische Immuntherapie einen positiven Einfluss auf die Allergie insgesamt und auch auf den Verlauf eines allergischen Asthmas hat. Der Inhalationsbedarf und die Schwere des Asthmas können zurückgehen. Ob ein Etagenwechsel, d.h. das neue Auftreten eines „Asthma bronchiale“ durch die Immuntherapie verhindert werden kann, konnte bisher in den Studien nicht eindeutig gezeigt werden. Es gibt jedoch Hinweise darauf.
In jedem Fall ist eine spezifische Immuntherapie auch für Menschen empfohlen, die bereits „Asthma bronchiale“ haben.
Sowohl die sublinguale (Tabletten) als auch die subkutane (Spritzen) Immuntherapie zeigen sehr gute Therapieerfolge, wenn die Behandlung genau auf die Allergien der betroffenen Person abgestimmt ist. Deshalb können beide Formen gleichermassen empfohlen werden.
Welche Therapie im Einzelfall besser passt, hängt vor allem von der persönlichen Lebenssituation, den eigenen Vorlieben (z.B. bei Angst vor Spritzen) und Begleiterkrankungen ab. Der grösste Unterschied ist wahrscheinlich der organisatorische: Die Spritzen werden in der Arztpraxis gegeben. Tabletten und Tropfen werden grösstenteils zu Hause eingenommen.
Eine Immuntherapie ist eine langfristige Behandlung und erfordert Geduld. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Betroffenen meist schnell an die Therapie gewöhnen und sie im Alltag nur wenige Einschränkungen mit sich bringt.
Der erste Therapieerfolg zeigt sich meistens bereits im ersten Jahr. Manchmal dauert es aber länger und die Wirkung wird erst nach dem zweiten oder sogar dritten Jahr deutlich.
Vor Therapiebeginn sollte man sich alles genau erklären lassen. Dazu gehören auch mögliche Nebenwirkungen. So weiss man genau, was einen erwartet. Die Therapie hilft am besten, wenn sie konsequent erfolgt und nicht plötzlich abgebrochen wird.
Der Erfolg der Therapie hängt wesentlich davon ab, dass die Behandlung regelmässig erfolgt. Einzelne Unterbrüche sind meist kein Problem. Werden Tabletten oder Termine jedoch häufiger ausgelassen, kann dies die Wirksamkeit verringern. Unterbrüche sollten deshalb möglichst vermieden und mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden. Wer sich im Verlauf der Therapie gegen die Fortsetzung entscheidet, ist das jederzeit möglich. Ein Therapieabbruch verringert die Wirksamkeit der Therapie deutlich, hat aber ansonsten keine Nachteile.
Viele Menschen glauben, dass eine spezifische Immuntherapie erst für Jugendliche oder Erwachsene infrage kommt. Das stimmt nicht. Bei vielen Kindern kann die Immuntherapie bereits ab dem 5. Geburtstag erfolgreich durchgeführt werden. Hier lassen sich übrigens die gewünschten Wirkungen meist noch leichter erreichen als bei älteren Menschen.
Ein weiterer Irrtum ist, dass ein positiver Allergietest automatisch bedeutet, dass die Behandlung sinnvoll ist. Das stimmt ebenfalls nicht. Vor einer Behandlung braucht es immer eine sorgfältige individuelle Abklärung. Erst dann lässt sich beurteilen, ob eine Therapie gute Erfolgsaussichten hat.
Glücklicherweise finden wir für die allermeisten Betroffenen eine passende Therapie, die dann ein grosses Stück Lebensqualität zurückbringen kann.