aha! Allergiezentrum Schweiz - aha!award - Gruppenbild mit Prämierten, Jurymitglied Dr. M. Pletscher und Geschäftsleiter der Stiftung aha!, Dr. G. Schäppi

Die Prämierten: (Reihe hinten) Jury-Präsident Dr. med. Martin Pletscher, Reto Abt, Ivan Müller, Dr. OIiver Brandt, Benjamin Wegenstein, Niculin Meyer für Philipp Kemmler (abwesend), Jury-Mitglied Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier. (Reihe vorne) Joan Germann, Nicoletta Bianchi, Esther Guex, Philipp Burch, Erny Niederberger, Dr. Georg Schäppi.


Automatische Pollenidentifikation in Echtzeit

Erny Niederberger, Reto Abt und Philipp Burch

Allergien auf Pollen treten immer häufiger auf. Die Technik, um die aktuellen Pollenbelastungen zu überwachen, stammt jedoch noch aus den 1950er-Jahren: Proben von Pollen werden typischerweise einmal wöchentlich eingesammelt und durch Laborpersonal bestimmt und gezählt. Durch diese zeitliche Verzögerung ist eine aktuelle Warnung oder eine genaue Prognose nicht möglich. Als Spin-off der Hochschule Luzern – Technik & Architektur hat das Startup-Unternehmen Swisens AG zum Ziel, diese Problematik zu lösen. Erny Niederberger, Reto Abt und Philipp Burch wollen mit optischen Messgeräten der neuesten Generation einzelne Pollen direkt im Flug detektieren und identifizieren. Damit sollen zukünftig Messdaten über die regionale Pollenbelastung in Echtzeit vorliegen, so dass sich Allergikerinnen und Allergiker rechtzeitig wappnen und bei Bedarf Massnahmen treffen können. Neben der besseren zeitlichen soll gemäss Projektverantwortlichen auch eine viel feinere regionale Auflösung als bisher erreicht werden. Die neuen Messverfahren sollen zudem nicht nur Pollen messen und identifizieren, sondern auch beispielsweise Feinstaub oder Schimmelpilzsporen.

In einer Machbarkeitsstudie, die die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) finanziert hat, konnten die drei Gewinner eines aha!award 2016 nachweisen, dass das von ihnen entwickelte Messverfahren funktioniert. In einem Folgeprojekt sollen nun feldtaugliche Geräte gebaut und draussen unter realen Bedingungen geprüft werden. Anschliessend wollen die drei Unternehmer die Geräte industriell herstellen. 

Philipp Burch hat für seine Master-Arbeit zur Entwicklung eines innovativen Messsystems für Aerosole im Rahmen dieses Projekts auch den Preis der Hochschule Luzern 2016 erhalten.


Gebäck, Brot und Salziges ohne Gluten

Sonja Henauer

In ihrer vollständig glutenfreien Produktionsstätte hat Sonja Henauer ein neues Sortiment mit Nachtischen, Brot- und Gebäcksorten sowie anderen salzigen Speisen entwickelt, die die drei wichtigsten Nahrungsmittelintoleranzen und -allergien berücksichtigen: Gluten, Laktose und Milchproteine. Das Unternehmen «Sonja, Dessert & Santé» in Cully, Kanton Waadt, soll Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen und -allergien helfen, sich am Tisch nicht mehr ausgeschlossen zu fühlen. Und betroffene Kinder sollen Nachtisch und Geburtstagskuchen geniessen können. Die Mehlsorten, die Sonja Henauer verwendet, ändern sich je nach Rezept. Garantiert glutenfrei sind beispielsweise Reis-, Hirse-, Quinoa-, Tapioka- und Maismehl. 

Mit ihrem Mann hat Sonja Henauer zudem 2009 einen Tea Room und eine Chocolaterie im Zentrum von Cully eröffnet, in denen Nahrungsmittelintoleranzen und -allergien berücksichtigt werden (Gluten, Milchprodukte, Nüsse). Dort können Menschen mit Zöliakie sorgenfrei Backwaren, Quiches, Brote sowie raffinierte glutenfreie Pralinen geniessen und auch mitnehmen. Bei «Sonja, Dessert & Santé» wird garantiert glutenfrei gearbeitet: Die Lieferanten weisen Analysezertifikate zum Ursprung der einzelnen Zutaten vor, Angestellte dürfen keine glutenhaltigen Speisen im Labor essen und müssen sich stets umziehen – sowohl bei der Ankunft als auch für die Pause. In Zukunft will Sonja Henauer zudem weitere salzige Speisen, Gipfeli und Schoggiweggli anbieten.
 

Ferien für Gäste mit Zöliakie oder Laktoseintoleranz

Philipp Kemmler

Auswärtsessen ist für Menschen mit einer Gluten- oder Laktoseintoleranz eine Herausforderung. Das gilt ganz besonders in den Ferien. Ein Angebot der «Nationalparkregion – Gesundheitsregion» widmet sich den Ferienansprüchen von Gästen mit einer Zöliakie oder Laktoseintoleranz. In der Ferienregion Scuol Samnaun Val Müstair ist dank der Mitarbeit von Philipp Kemmler ein Netzwerk von mehr als 30 Anbietern von gluten- und laktosefreien Produkten entstanden, um Betroffenen eine sorgenfreie Auszeit zu ermöglichen. Das Netzwerk wurde laufend erweitert und derzeit bieten 14 Hotels, 18 Restaurants, 10 Ferienwohnungen und 8 Geschäfte, Cafés und Bäckereien eine gluten- und/oder laktosefreie Speisenauswahl an – von Müstair über Scuol bis nach Samnaun. Mehrmals pro Jahr finden auch besondere Aktivitäten statt, wie zum Beispiel glutenfreie Apéros oder gluten- und laktosefreie Koch- oder Backkurse. Die Mitarbeitenden aller Partnerbetriebe werden ausserdem zweimal pro Jahr von Experten geschult.

Das Regionalentwicklungsprojekt «Nationalparkregion – Gesundheitsregion» wurde 2011 lanciert. Unter der Trägerschaft des Gesundheitszentrums Unterengadin und im Rahmen einer Partnerschaft mit der Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG und der Universität St. Gallen wurden neue, innovative Angebote entwickelt, darunter auch das Angebot gluten- und laktosefreie Ferien. Eine zentrale Rolle bei dessen Aufbau spielte der Diätkoch Michael Langen vom Ospidal in Scuol, der zusammen mit einer Ernährungsberaterin, einem Arzt für innere Medizin und einer betroffenen Tourismusfachfrau das Projekt realisiert hat.
 

Schlüsselwort-Drehscheibe für Menschen mit Glutenintoleranz

Esther Guex und Nicoletta Bianchi

Ungefähr ein Prozent der europäischen Bevölkerung ist von Zöliakie (Glutenintoleranz) betroffen. Zurzeit ist die einzige Therapie eine komplett glutenfreie Ernährung. Halten sich die Betroffenen zu wenig oder gar nicht an eine entsprechende Diät, können ernsthafte gesundheitliche Probleme auftreten.

2009 beteiligten sich Esther Guex und Nicoletta Bianchi an der Überprüfung des Informationsdossiers für die Mitglieder der Association Romande de la Cœliakie (ARC). Die beiden sind in der therapeutischen Aus- und Fortbildung tätig und haben einen Teil dieser Überarbeitung in ein praktisches Hilfsinstrument, in eine «Schlüsselwort-Drehscheibe», umgesetzt. Mit diesem Werkzeug möchten sie Menschen mit einer Glutenintoleranz unterstützen und ihnen zu einer möglichst grossen Selbständigkeit im Alltag verhelfen. 

Für die Wahl eines glutenfreien Fertigprodukts muss der Käufer mit Zöliakie wissen, was darin enthalten ist. Deswegen wurde eine Liste von Schlüsselwörtern erstellt und in das Informationsdossier aufgenommen, in dem weitere Erklärungen zu jeder Zutat folgen. Esther Guex und Nicoletta Bianchi beschlossen, aus dieser Liste ein praktisches und nützliches Werkzeug zu machen, indem sie die Liste als Drehscheibe – nach dem Vorbild einer Parkscheibe – gestaltet haben. Die Preisträgerinnen sind überzeugt, dass eine bessere Kenntnis der Lebensmittel und ein besseres Verstehen der Angaben auf deren Etiketten zur richtigen Wahl der Nahrungsmittel beitragen. Dies hilft, die Diät besser einzuhalten und gesund zu bleiben. Demnächst soll die Drehscheibe auf Deutsch und Italienisch übersetzt werden, damit sie in der gesamten Schweiz verteilt werden kann.


Prävalenz von Sensibilisierungen gegenüber häufigen Allergenen und atopische Erkrankungen bei Schulkindern in Port Elizabeth, South Africa

Dr. Oliver Brandt, Ivan Müller, Benjamin Wegenstein

Heuschnupfen, allergisches Asthma und Neurodermitis sind weltweit vorkommende Erkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Sie verursachen durch medizinische Behandlungen und krankheitsbedingte Arbeitsausfälle ausserdem hohe volkswirtschaftliche Kosten. Jahrzehntelang ging man davon aus, dass diese Krankheiten vor allem für wirtschaftsstarke Länder von Relevanz sind. Während der letzten Jahre hat sich jedoch gezeigt, dass Allergien auch in Entwicklungs- und Schwellenländern zunehmen und mittlerweile ebenso häufig vorkommen wie in der westlichen Welt. Dr. Oliver Brandt und sein Team haben in Südafrika eine Studie durchgeführt, um Kinder mit Allergien zu identifizieren und sie einer geeigneten Therapie zuzuführen sowie ihre Eltern bezüglich des Umgangs mit den Erkrankungen zu schulen. Im Frühling dieses Jahres wurden in Port Elizabeth, Südafrika, tausend Kinder auf Allergien untersucht, die an der sogenannten DASH-Studie (Disease, Activity and Schoolchildren’s Health Study) teilnehmen. Dieses Projekt des Departements für Sport, Bewegung und Gesundheit und des Swiss Tropical and Public Health Institute der Universität Basel sowie der Nelson Mandela Metropolitan University erforscht die Häufigkeit von Wurminfektionen, die körperliche Fitness, die kognitive Leistungsfähigkeit und die psychosoziale Gesundheit von Kindern aus unterprivilegierten Verhältnissen sowie möglicherweise existierende Zusammenhänge zwischen den einzelnen Parametern.

Die Ergebnisse der Studie von Dr. Oliver Brandt werden nun mit anderen, im Rahmen der DASH-Studie erhobenen Daten verknüpft, um eventuell bestehende Wechselbeziehungen zwischen Allergien und anderen Erkrankungen sowie soziodemographischen Merkmalen ausfindig zu machen.


Kleine Bäcker ohne Gluten

Joan Germann

Das Buch «Petits pâtissiers sans gluten» (Kleine Bäcker ohne Gluten) beinhaltet 20 Plätzchen- und Kuchenrezepte, die Kinder zu jeder Jahreszeit und jeder Gelegenheit einfach backen können. Dieses in der Schweiz einzigartige Buch von Joan Germann wurde speziell für Kinder mit Glutenintoleranz (Zöliakie) entwickelt. Bei der Auswahl hat Joan Germann darauf geachtet, dass die Rezepte wirklich kinderleicht sind und die Backwaren dabei genauso gut schmecken wie glutenhaltiges Gebäck. Denn die Autorin ist nicht nur Ernährungsberaterin, sondern auch Mutter einer Tochter mit Zöliakie. Alle Rezepte wurden wiederholt ausprobiert und schliesslich von der Familie und auch von Freunden, die nicht an Glutenintoleranz leiden, für lecker befunden.

Es handelt sich um ein farbenfrohes Buch für ein junges Publikum. Jedes Rezept wird von einem Bild begleitet sowie von Zeichnungen, die dem Kind die Herstellung der Backwaren Schritt für Schritt erläutern. In der Einführung erklärt die Autorin in einfachen Worten, was Zöliakie ist und warum es so wichtig ist, Gluten aus der Ernährung zu streichen. Es folgen Tipps zur Auswahl der Produkte und zum Ablauf der Zubereitung. Zusätzlich werden Rezepte, die Laktose enthalten, gesondert gekennzeichnet, damit Menschen mit einer Laktoseintoleranz diese erkennen. Dank diesem Buch können alle Kinder Spass am Backen haben, auch diejenigen, die an Zöliakie oder an einer Laktoseintoleranz leiden. Die Rezepte sind auch praktisch für Lagerleiter oder Lehrerinnen, die oft mit betroffenen Kindern Umgang haben. Sie verfügen nun über ein wertvolles Hilfsmittel für die Zubereitung von leckerem Gebäck ohne Gluten für Zvieri und Nachtisch. 


Medienmitteilung aha!award 2016

Fotogalerie aha!award 2016

Bilder: Luca Christen, Bern

Für Download: Flyer