Die Preisträgerinnen des aha!award 2014: Dr. med. Alice Köhli, Angelica Dünner, Dr. med. Ferdinanda Pini Züger (v.l.n.r.) und der Preisträger der Kategorie «Jugend-Projekte», Alexander Schenk.


Angelica Dünner

Angelica Dünner gründete 2011 gemeinsam mit weiteren Eltern und Betroffenen den Verein «Erdnussallergie und Anaphylaxie» als Patientenorganisation und amtet seither als deren Präsidentin. Ziel der Organisation ist es, Betroffenen und ihrem Umfeld umfassendes und themenspezifisches Informationsmaterial zur Verfügung zu stellen, Wahrnehmung und Verständnis für das Thema in der breiteren Öffentlichkeit zu fördern, Kinder und Eltern Unterstützung und Hilfsmittel zu bieten, Schulungen durchzuführen und den gegenseitigen Austausch zu fördern. Neben individueller Hilfe leistet der Verein heute viel Aufklärungsarbeit: bei Behörden, politischen Gremien, Schulen, Krippen, Lebensmittelproduzenten oder bei Grossverteilern. Der Verein bietet telefonische Beratungen an, unterhält einen Newsletter, erstellt hilfreiche Formulare, organisiert Treffen für Mitglieder und betreibt eine informative Webseite sowie einen Webshop. 2014 übersetzte und publizierte der Verein zwei englischsprachige Kinderbücher mit Geschichten über den Elefanten Alexander, der allergisch ist auf Erdnüsse, in deutscher und französischer Sprache (über eine Lizenz von FARE, Food Allergy Research & Education, USA). Die Geschichten vermitteln kleineren Kindern Wissen über Allergien und den Umgang damit im Alltag in einfacher, bildhafter Sprache. Die Lektüre kann mithelfen, bereits erlebte anaphylaktische Reaktionen besser zu verarbeiten, kann es aber auch Lehrpersonen ermöglichen, mit Kindern das Thema Allergien anzugehen. Angelica Dünner erhält ihren Teil des Awards sodann für den Aufbau und die Entwicklung der Bereiche «Strategien für das Alltagsmanagement» und «Rechtliches» der Anaphylaxie-Schulungen, welche unter der Leitung von Dr. Alice Köhli durchgeführt werden.

Dr. med. Alice Köhli

Dr. med. Alice Köhli, Leiterin Allergologie der Universitätskinderkliniken Zürich, führte schon 2011 erste Anaphylaxie-Schulungen für Betreuungspersonen von Kindern am Kinderspital Zürich durch. Sie gab im gleichen Jahr, gemeinsam mit Angelica Dünner, den Anstoss für die Entwicklung und den Aufbau von Anaphylaxie-Schulungen für Eltern und von Anaphylaxie-Workshops für Lehrpersonen. In der Schweiz existierten bis 2012 keine standardisierten Schulungen zu diesem Thema: weder für Betroffene, wie sie in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie-Training und Edukation (AGATE) angeboten werden, noch für das Lehr- und Betreuungspersonal an Schulen, Kindergärten und in Tagesstätten. Sie sollen dem Zielpublikum das erforderliche medizinische Hintergrundwissen über Allergien vermitteln, ihnen Kompetenz und Sicherheit zur Vermeidung von Reaktionen und zum richtigen Verhalten in Notsituationen geben. Bei den Schulungen für Eltern wird auch der Umgang im eigenen sozialen Umfeld thematisiert, sei es bezüglich Einkauf, Reisen, Schul- oder Restaurantbesuch. Bei den Kursen für Lehrpersonen wird vertieft auf Umgang und Verhalten im Schulalltag eingegangen, und auch rechtliche Fragen kommen zur Sprache. Dank den Schulungen können Eltern, Lehr- und weitere Betreuungspersonen von Anaphylaxie gefährdeten Kindern Ängste abbauen, Sicherheit gewinnen und Kompetenzen erlangen. Die Workshops für Lehrpersonen haben das übergeordnete Ziel, betroffenen Kindern wenn immer möglich den Besuch von Regelklassen zu ermöglichen. Die Kurse haben sich etabliert und werden von Schulen und Betroffenen regelmässig gebucht.

Dr. med. Ferdinanda Pini Züger

Dr. med. Ferdinanda Pini Züger, MPH, leitet den Schulärztlichen Dienst Kanton Zürich. Auf Anregung von Angelica Dünner und in Zusammenarbeit mit dem Rechtsdienst des Volksschulamtes Kanton Zürich hat sie Informationsblätter für Eltern sowie Richtlinien für Schulen zur Erdnuss- und Nussallergie bis hin zum Notfallszenario erstellt. Erklärtes Ziel: Schülerinnen und Schüler mit dieser Form der Nahrungsmittelallergie besser in die Regelschule zu integrieren, ihr «Expositionsrisiko» zu minimieren. Die Richtlinien umfassen Instruktionen im Umgang mit gefährdeten Kindern und Anleitungen zuhanden der Lehrerschaft, wie in Notfällen vorzugehen ist. Eine Vorlage für eine Vereinbarung zwischen Eltern und Schule und, wo gewünscht, den behandelnden ÄrztInnen kann als Orientierungshilfe und Leitlinie dienen, um die sich im schulischen Umfeld stellenden Themen in Bezug auf die Anaphylaxie gemeinsam zu besprechen und allenfalls schriftlich zu regeln. Zürich ist der erste Kanton in der Schweiz, der für Eltern und Schulen solche Informationsblätter erarbeitet hat und auf der Website zur Verfügung stellt. Die Schulen erhalten ein Instrument zur Integration Betroffener ins schulische Umfeld. Die Informationsblätter und der Vereinbarungsvorschlag sind rechtlich abgestützt und basieren auf dem bestehenden Volksschulgesetz. Vorbildlich in diesem Projekt ist zudem die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Alexander Schenk

Schon als Kind erkannte er, dass ihm der Verzehr von Erdnüssen nicht gut tat. Ein Allergietest bestätigte diese Feststellung, doch weitere Gedanken dazu machte er sich nicht, und hatte auch nie ein Notfallset dabei. 2010 kostete ihn der Verzehr von Keksen an einem Hochzeitsfest an der polnisch-slowakischen Grenze beinahe das Leben. Gerettet wurde er lediglich durch die Hilfe einer zufällig anwesenden Notfallschwester, welche – ebenfalls zufällig – Kortisontabletten bei sich hatte. Zwar hatte er einen Epipen dabei, aber der Anwender (ein Arzt) verwendete ihn falsch und stach sich irrtümlicherweise selber in den Finger. Dieses Erlebnis bewog Alexander Schenk dazu, seine Maturaarbeit dem Thema Anaphylaxie zu widmen. mehr

Bilder vom Anlass im Stadttheater Bern finden Sie in der Fotogalerie

Medienmitteilung 2014

Bilder: Paul Talmann, Überstorf

Für Download: Flyer