Neurodermitis

Neurodermitis (atopische Dermatitis) tritt schubweise vor allem im Säuglingsalter auf. Bei 60% der Betroffenen beginnt die entzündliche, chronische Hauterkrankung im ersten, bei 85% bis zum fünften Lebensjahr. Erwachsene sind fast immer schubfrei. Neurodermitis basiert auf einer erblichen Veranlagung.

 

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen der Neurodermitis sind vielfältig. Neben der genetischen Veranlagung wird die Krankheit durch eine verminderte Hautbarriere, veränderte Immunantworten und Umweltfaktoren beeinflusst.

Der Mangel an Eiweiss in der Haut, welches für die Barrierefunktion wichtig ist (wie Filaggrin) spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Neurodermitis. Diese Eiweisse werden aufgrund eines Gendefekts wie auch zusätzliche Immunreaktionen vermindert oder überhaupt nicht gebildet. Dadurch ist die natürliche Verhornung gestört und die Barrierefunktion der Haut eingeschränkt. Allergene und Bakterien können so leichter in die Haut eindringen, was entzündliche Hautreaktionen (Ekzeme) auslösen oder verstärken kann.

80 % der Betroffenen mit Neurodermitis weisen erhöhte IgE-Antikörper gegen Umweltallergene im Blut auf. Während bei Kleinkindern vor allem Allergien auf Nahrungsmittel im Vordergrund stehen, reagieren ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene allergisch auf Pollen, Tiere und Hausstaubmilben sowie mikrobielle Auslöser wie Bakterien (Staphylokokken) und auf der Haut lebende Hefepilze (Malassezia).
 

Symptome von Neurodermitis

Neurodermitisbetroffene haben eine trockene, sensible und schuppende Haut, meist ein Leben lang.
Bei einem Neurodermitisschub entstehen zusätzlich ekzematöse Ausschläge (Ekzeme). Bei Säuglingen ab rund 3 Monaten sind oft die Kopfhaut, die Wangen, Arme, Beine und auch der Rumpf betroffen, praktisch nie aber der Windelbereich. Die geröteten, schuppenden, stark juckenden, nässenden und schliesslich verkrusteten Hautstellen können «wandern» – innert Wochenfrist von einer Körperstelle zur andern.

Bei Schulkindern und Erwachsenen finden sich die Hautveränderungen mit Juckreiz meist in den Ell- und Kniebeugen. Gesicht, Hals und Handgelenke können ebenfalls betroffen sein.
 

Diagnose und Differenzialdiagnose

Die Diagnose wird meistens anhand der typischen Symptome gestellt: Juckreiz, Rötung und Schuppung der Haut sowie nässende Hautstellen, die später verkrusten. Zudem hat oft mindestens ein Elternteil eine sensible, trockene Haut. Der Ausschlag reagiert gut auf Kortisonsalbe.

Differenzialdiagnosen sind: Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis – starke Hautverhornungen am ganzen Körper) und Schuppenflechte (Psoriasis).
 

Therapie und Behandlung

Salben, salben, salben: Die Haut muss regelmässig eingefettet werden. Es gibt keine spezifische Neurodermitissalbe, sehr wohl aber geeignete und ungeeignete Produkte. Oft finden Betroffene selber heraus, was ihnen am besten hilft. Nach dem Auftragen soll die Salbe oder Creme gut einmassiert werden. Bei Säuglingen bewährt sich die Baby-Massage: Sie beruhigt, entfernt trockene Hautschuppen, fördert die Durchblutung der Haut und führt der Haut Fett zu.

Ist ein Neurodermitisschub ausgebrochen, kommen lokal angewendete Kortisoncremen und -salben zur Anwendung.

Ein Neurodermitisschub kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Neben Allergenen ist Stress ein wichtiger Faktor: Entwicklungs-, Schul- oder Berufsstress sowie Spannungen und Probleme im sozialen Umfeld.

Neurodermitisbetroffene leiden häufiger an einer Allergie als der Durchschnitt der Bevölkerung. Kommt es immer wieder zu Schüben oder heilen diese trotz Therapie nicht ab, sollte ein Allergietest gemacht werden. Fachärzte führen Tests in der Regel ab dem 6. Lebensmonat durch.
 

Tipps und Tricks

  • So vielfältig die Ursachen eines Schubes, so unterschiedlich die Behandlungsmöglichkeiten. Es lohnt sich verschiedene auszuprobieren.
  • Methoden aus der Komplementärmedizin können helfen, die Symptome eines Schubes zu lindern.
  • «Wochenendtherapie»: Prophylaktisch ein- bis zweimal wöchentlich die verordnete Kortisonsalbe auftragen, insbesondere bei wiederkehrenden Ekzemen im Gesichtsbereich.
  • Schwitzen fördert den Juckreiz. Sich nachts daher nicht zu warm zudecken und tagsüber den Temperaturen angepasste Kleidung tragen.
     

Zahlen und Fakten

Neurodermitis ist nicht ansteckend! Bei der Differenzialdiagnose von «Ekzemen» wurden in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Es ist deshalb schwierig zu beurteilen, ob Neurodermitis prozentual zunimmt oder nicht. Die Krankheit wird aber häufiger diagnostiziert als noch vor ein paar Jahren.
15–30% der Kinder leiden an Neurodermitis, 2–10% sind es bei den Erwachsenen. 70% der betroffenen Kinder sind im Jugendalter schubfrei.
 

aha! Allergiezentrum Schweiz hilft

 

Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat.

 

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© aha! Letzte Aktualisierung: 23.04.2014 Disclaimer Qualitätssicherung Datenschutz