Neurodermitis (Atopische Dermatitis)

Neurodermitis/atopische Dermatitis tritt schubweise vor allem im Säuglingsalter auf. Die Hauterkrankung basiert auf einer erblichen Veranlagung. Bei 85 % der Fälle treten die Symptome in den ersten fünf Lebensjahren auf. 

Ursachen und Auslöser

Die Ursachen der Neurodermitis sind vielfältig. Genetische Veranlagung, Umweltfaktoren sowie die in der Haut ablaufende Entzündung spielen dabei eine Rolle. Ein Mangel, ein Ungleichgewicht oder eine Fehlfunktion von Stoffen (z.B. Eiweisse oder Fette), welche für den Aufbau der oberen Hautschicht verantwortlich sind, ist für diese verminderte Hautbarriere verantwortlich. Dadurch verdunstet mehr Wasser und die Haut wird trocken. Zudem wird die Haut durchlässiger für Allergene und andere Umweltstoffe. Diese können Entzündungsreaktionen auslösen.

Neben den Veränderungen der Hautstruktur haben Klima/Wetter, psychischer Stress, chemische Reize (z.B. Dusch- und Waschmittel) etc. einen Einfluss auf den Hautzustand. Die Auslöser für einen Neurodermitis-Schub sind von Person zu Person unterschiedlich und können sich im Laufe des Lebens ändern. Häufig spielen mehrere Faktoren eine Rolle, deshalb es ist oftmals schwierig, den oder die Auslöser zu bestimmen.

Symptome

Bei einer atopischen Dermatitis verändert sich der Hautzustand ständig. Es können folgende Symptome auftreten:

  • Trockene, sensible Haut
  • Juckreiz
  • Rötungen
  • Schuppende Haut
  • Nässende Hautstellen
  • Krustenbildung
  • Derbe Haut mit vergrössertem Relief
  • Knötchenbildung

Diese Symptome können sich gleichzeitig oder unterschiedlich starkzeigen. Je nach Alter der Betroffenen treten die Ekzeme an den typischen Hautstellen auf: Im Säuglingsalter sind hauptsächlich das Gesicht, der Oberkörper, die Hände und die Streckseiten der Arme und Beine betroffen. Bei Kleinkindern treten die Schübe vorwiegend in den Kniekehlen, Ellenbeugen, im Gesicht, Nacken und am Hals auf. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können zusätzlich Hand- und Fussekzeme beobachtet werden.

Diagnose und Differenzialdiagnose

Es gibt keinen Labortest, um eine atopische Dermatitis festzustellen. Die Diagnose wird anhand der typischen, oben genannten Symptome gestellt. Dazu nötig ist ein ausführliches Gespräch zwischen dem Arzt und den Eltern oder dem Betroffenen sowie eine Untersuchung der Haut. Atopische Erkrankungen im familiären Umfeld können ein wichtiger Hinweis sein.

Hauterkrankungen wie z.B. Psoriasis (Schuppenflechte) können manchmal ähnliche Symptome verursachen. Ausführliche Abklärungen beim Hautarzt (Dermatologe) können dazu Aufschluss geben.

Therapie und Behandlung

Die Basispflege ist die Grundlage der Behandlung bei atopischer Dermatitis. Sie besteht aus Hautreinigung und Hautpflege. So kann Infekten vorgebeugt werden und die Haut wird durch passende Pflegeprodukte mit Fett und Feuchtigkeit versorgt. Ein generelles «Pauschal-Pflegepräparat» für alle Betroffenen gibt es leider nicht. Die Wahl des Pflegeproduktes sollte saisonal angepasst werden:

  • Im Winter bei kalter und trockener Luft eher fetthaltige Produkte wählen.
  • Im Sommer bei heisser und feuchter Luft werden Produkte mit geringem Fett-, dafür höherem Feuchtigkeitsanteil als angenehm empfunden.

Viele Betroffen leiden unter starkem Juckreiz. Durch Kratzen wird der Juckreiz zwar vorübergehend verdrängt, die Haut wird dadurch aber geschädigt, was den Juckreiz wiederum fördert. Ziel der Therapie ist es, diesen Teufelskreis zwischen Juckreiz, Kratzen und Verschlechterung des Hautbildes zu durchbrechen. Verschiedene Massnahmen können in dieser Situation hilfreich sein, z.B. kühlen, hautfreundliche und atmungsaktive Textilien, Umschläge und Verbände mit Schwarztee, Kochsalz oder Salben.

Wenn sich der Hautzustand trotz guter Basispflege verschlechtert, ist oft zusätzlich eine antientzündliche Therapie nötig. Dazu stehen kortisonhaltige Cremen und Salben sowie Calcineurininhibitoren/Immunmodulatoren zur Verfügung.

Es gibt verschiedene mögliche Faktoren, wie z.B. Stress oder diverse Reizstoffe die den Hautzustand negativ beeinflussen, diese gilt es so gut wie möglich zu meiden.

Tipps und Tricks

  • Schwitzen fördert den Juckreiz. Sich nachts daher nicht zu warm zudecken und tagsüber den Temperaturen angepasste Kleidung tragen.
  • Die unterste Kleiderschicht mit den Nähten nach aussen tragen, um eine Reizung auf der Haut zu verhindern
  • Auf Weichspüler verzichten, stattdessen eine kleine Menge Essig verwenden.
  • Entspannungstechniken (z. B. Yoga, progressive Muskelentspannung, autogenes Training) können helfen, mit psychischen Belastungen umzugehen.

Zahlen und Fakten

In der Schweiz sind ca. 20 % der Kinder von atopischer Dermatitis betroffen. Bei Erwachsenen geht man von 4–5 % aus. Bei 85 % der Fälle treten die Symptome in den ersten fünf Lebensjahren auf.


Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat.
 

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