Latexallergie

Latex wird aus dem Baum Hevea brasiliensis gewonnen. Vor 10, 20 Jahren galt die Latexallergie als Berufsallergie, häufig vor allem bei Personen in Medizinalberufen. Allergische Reaktionen äussern sich meist als lokaler Nesselausschlag, manchmal auch in bedrohlicheren Reaktionen wie Gesichtsschwellung, Atemnot oder Schock.

Ursachen und Auslöser einer Latexallergie

Aufgrund der physikalischen Eigenschaften, dem Tragkomfort und dem tiefen Preis wird Latex in vielen verschiedenen Produkten eingesetzt. Dabei können verschiedene Proteine im Latex Allergien auslösen.

Latexhaltige Artikel im medizinischen Bereich:
Handschuhe, Wunddrainagen, Blasenkatheter, Wärmeflaschen, Ambu-Beutel (Beatmungsbeutel: Hilfsmittel bei der Beatmung von intubierten bzw. nicht intubierten Patienten mit Atemstillstand oder insuffizienter Spontanatmung), Blutdruckmanschetten, Zahnkeile und Kofferdamm (Zahnarzt), Verbände, Darmrohr etc.

Im Alltag:
Luftballone, Kondome, Erotikprodukte, Therapie- und Muskelkräftigungsbänder, Gummibänder in Kleidern, Unterwäsche mit Stretch-Effekt, Antirutschmatten in Dusche und Badewanne, Nuggis (Schnuller), Flip-Flops, Schwimmkappen, Griffe (z.B. an Handtaschen oder Fahrrädern), Wärmeflaschen und weitere mehr.

Gepuderte Latexhandschuhe lösen häufiger Allergien aus, da diese aufgrund anderer Herstellungsverfahren höhere Konzentrationen von Latexproteinen aufweisen. Ebenfalls kann das Puder in die Raumluft gelangen und so durch Inhalation die Symptome verstärken oder sogar auslösen. Der Wechsel von gepuderten Naturlatexhandschuhen auf puderfreie oder gänzlich latexfreie Handschuhe in den Spitälern hat sich sehr positiv ausgewirkt.

Kreuzreaktionen

Bei Latexallergiebetroffenen können auch Kreuzreaktionen auf Lebensmittel auftreten, deren Eiweisse eine ähnliche Struktur haben wie die Latexallergene. Dazu gehören Ananas, Avocado, Bananen, Edelkastanien (Marroni), Feigen, Kartoffeln, Kiwi, Mango, Melonen, Papaya, Passionsfrüchte, Pfirsiche, Spinat und Tomaten. Nicht selten besteht auch eine Kreuzallergie zur beliebten Zimmerpflanze Birkenfeige (Ficus benjamina).

Symptome einer Latexallergie

Mehrheitlich entwickelt sich die Latexallergie nach direktem Kontakt der Haut oder Schleimhaut mit latexhaltigen Materialien. Der direkte Hautkontakt kann einen lokalen Nesselausschlag (Urtikaria) mit Juckreiz, Hautrötung und kleineren oder grösseren Schwellungen zur Folge haben. Falls kein direkter Kontakt besteht, reagiert rund die Hälfte der Betroffenen mit Symptomen der Atemwege (Asthma, allergischer Schnupfen) oder roten, juckenden Augen.

Über die Haut/Schleimhaut aufgenommene Latexallergene verteilen sich über das Blut im Organismus und können dadurch zu einer Urtikaria am ganzen Körper, zu Lippenschwellungen und verschiedenen Schleimhautreaktionen und anderen Symptomen (Fliessschnupfen, Asthmaanfälle, Schwellungen im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich, Magen-Darm-Symptome) führen. Gelegentlich treten schwere, anaphylaktische Reaktionen wie Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Herzstillstand auf.

Diagnose und Differenzialdiagnose

Die Diagnose wird mittels einer ausführlichen Anamnese sowie Hauttest und Bluttest gestellt. Ebenfalls können Provokationen mit latexhaltigen Gegenständen durchgeführt werden.

Therapie und Behandlung

Personen, bei denen eine Latexallergie vermutet wird, sollten sich allergologisch abklären lassen. Im Falle einer Bestätigung, erhalten sie einen Allergieausweis. Es liegt an ihnen die behandelnden Ärzte, Zahnärzte und das medizinische Personal über ihre Allergie zu informieren. Je nach Ausmass der Beschwerden, werden den Betroffenen Notfallmedikamente (Antihistaminikum, Kortisonpräparat und evtl. Adrenalin-Autoinjektor) nach genauer Instruktion abgegeben. Die Latexallergie ist immer noch ernst zu nehmen, aber sie gehört zu einer Allergie, die vermieden werden kann.

Tipps und Tricks

  • Latexhaltige Gegenstände und Kleider durch latexfreie austauschen. Heute gibt es viele Kunstfasern, die den Naturlatex ohne Qualitätseinbusse ersetzen können und das Allergierisiko minimieren.
  • Allergiepass immer auf sich tragen und medizinisches Personal über die Allergie informieren.
  • Keine gepuderten Latexhandschuhe verwenden.

Zahlen und Fakten

Die Häufigkeit einer Latexallergie in der Gesamtbevölkerung weltweit liegt bei 2% und bei Beschäftigten im medizinischen Bereich bei 10–17%.

Massnahmen

Personen, bei denen eine Latexallergie vermutet wird, sollten sich allergologisch abklären lassen.

Risikogruppe

Personen mit einer atopischen Veranlagung und solche, die bereits von einer Allergie betroffen sind, tragen ein höheres Risiko als unbelastete Menschen. In folgenden beruflichen Tätigkeiten und Branchen kommt die Latexallergie wegen möglichem Kontakt mit Naturlatex am häufigsten vor:

  • Raumpflegepersonal
  • Schönheits- und Kosmetikbranche
  • Personal in Küchen und Lebensmittelbetrieben
  • Medizinisches und zahnmedizinisches Personal (v.a. Operationspersonal)
  • Personal in der Gummi verarbeitenden Industrie
  • Berufe, in denen mit Dichtungen und Isolationen gearbeitet wird

Auch Personen, die mehrere Operationen hatten oder solche, die sich wegen Anomalien (z.B. Spina bifida, Nieren-/Blasenmissbildungen) bereits in früher Kindheit operieren lassen mussten, können bei einer vorhandenen Veranlagung eine Latexallergie entwickeln.
 

Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, mit Unterstützung von Prof. Dr. med. Arthur Helbling, Leiter der Allergiestation, Spital Netz Bern Ziegler; Leitender Arzt Allergologisch-Immunologische Poliklinik, Inselspital, Universitätsspital Bern und in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat.

 

aha! Allergiezentrum Schweiz hilft

  • Das Infoblatt «Latexallergie» kann in der Infothek runtergeladen werden.
  • Informationen zur Latexallergie auch in weiteren Broschüren und Infoblätter von aha! Allergiezentrum Schweiz.
  • Ausführliche Infos und Videos, ein Anaphylaxie-Check und eine Liste mit Tipps für den Notfall auf der Seite «Anaphylaxie» in der Rubrik «Wissenswertes». Für Infos zum Notfallausweis hier klicken: «Allergiepass»
  • aha! Allergiezentrum Schweiz organisiert «Anaphylaxie-Schulungen» für Betroffene sowie «Anaphylaxie-Workshops» für Lehrpersonen
  • Kennen Sie unsere Applikationen für Smartphone: Asthma-Info, Pollen-News, e-symptoms, AllergiePass?
  • Mit dem Test Asthmakontrolle können Sie den Umgang mit Ihrem Asthma besser einschätzen. Ihre Einschätzung wird es Ihrem Arzt oder Ihrem Apotheker ermöglichen, die Therapie Ihres Asthmas optimal zu gestalten. Zu Gunsten Ihrer Lebensqualität!
  • Der Fragenkatalog «Habe ich eine Allergie?» unterstützt Betroffene und Ärzte bei der Diagnosestellung.
  • Fachpersonen der aha!infoline beantworten persönliche Fragen: Montag bis Freitag, 08.30–12.00 Uhr.
  • Mit dem Schweizer Allergie-Gütesiegel ausgezeichnete Produkte und Dienstleistungen – ein Zusatznutzen für Betroffene.
  • aha!kinderlager für allergiebetroffene Kinder im Alter zwischen 8–12 Jahren: abwechslungsreiche Ferientage mit viel Sport, Spiel und Fitness. Fachgerecht betreut, lernen die Kinder einen verbesserten Umgang mit ihrer Allergie und/oder dem Asthma.
  • aha!jugendcamp für Jugendliche zwischen 13–16 Jahren: ein breites Sport- und Freizeitangebot, fachkundige Leiter thematisieren auch Aspekte von allergischen Erkrankungen im Jugendalter.
  • Schulungen und Kurse zu den Themen «Allergie, Asthma, chronische Bronchitis», «Anaphylaxie» und «Neurodermitis».
  • Ihre Meinung interessiert uns! Oder möchten Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen? Mehr dazu unter Beratung und Austausch.
  • Ihre Spende ermöglicht wichtige Dienstleistungen für Menschen mit Allergien, Asthma und Neurodermitis. Herzlichen Dank. Ihre Unterstützung setzen wir wirkungsvoll ein.