Medikamentenallergie

Die meisten allergischen Nebenwirkungen sind relativ harmlos, einige können allerdings bedrohlich sein und sowohl für den Patienten wie den behandelnden Arzt ein grosses Problem darstellen. Im Prinzip können alle Medikamente Allergien auslösen. Am häufigsten geschieht dies jedoch bei Antibiotika und gewissen Schmerzmitteln.

Ursachen und Auslöser für eine Medikamentenallergie

Nebenwirkungen von Medikamenten sind klar von Allergien zu unterscheiden. 

Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit oder Magenschmerzen, die jedoch mit einer Allergie an sich nichts zu tun haben. Nur ein Sechstel aller Nebenwirkungen von Medikamenten sind allergischer Natur, d.h., im Körper des Patienten läuft eine Immunreaktion gegen das Medikament ab. Ähnlich wie sich der Körper gegen ein Virus wehrt, wehrt er sich bei der Medikamentenallergie gegen das Medikament. Am häufigsten wird sie durch Antibiotika (vor allem aus der Wirkstoffgruppe der Penicilline und Cephalosporine) sowie durch Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Azetylsalizylsäure, Diclofenac, Mefenaminsäure, Pyrazolone etc. verursacht. Das Problem besteht darin, dass eine derartige allergische Reaktion nicht vorhersehbar ist. Man weiss nicht, wer gefährdet ist und wer nicht. Selbst Personen mit bekannten anderen Allergien, zum Beispiel auf Pollen, erleiden nicht häufiger eine Medikamentenallergie als Nichtallergiker. Es kann also jeden treffen. Allerdings ist bekannt, dass Menschen mit einem schweren Virusinfekt auf Antibiotika häufiger allergisch reagieren. Ebenfalls kann es bei Asthmatikern nach Einnahme von gewissen Schmerzmitteln (vor allem bei Medikamenten mit dem Wirkstoff Azetylsalizylsäure) zum Aufflackern des Asthmas kommen.

Symptome

Die meisten Reaktionen sind relativ harmlos und bilden sich rasch wieder zurück, z.B. Rötung am Arm). Der behandelnde Arzt sollte trotzdem informiert werden und entscheiden, ob das Medikament weiter eingenommen werden kann oder nicht.

Einige Nebenwirkungen sind allerdings schwer und entsprechend gefährlich. Wenn es innert Stunden zu Quaddeln und Nesselfieber (rote Flecken), Atemnot oder einem Kollaps kommt, muss das Medikament abgesetzt und der Hausarzt benachrichtigt werden.

Dasselbe Vorgehen ist angebracht beim Auftreten von Blasen, bei Beteiligung der Schleimhäute (Blasen, «Bibeli» in Mund oder Scheide), bei blutig unterlaufenen Hautveränderungen oder falls neu Fieber auftritt.

Die Symptome können sich innert weniger Stunden zeigen, vor allem wenn dieses oder ein ähnliches Präparat schon früher einmal verwendet wurde. Es können aber auch mehrere Tage vergehen, bis man auf ein Medikament reagiert.

Diagnose und Differenzialdiagnose

Es ist häufig gar nicht so einfach, die Ursache der Beschwerden zu erkennen: Die Symptome sind oft nicht eindeutig und können auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden. Ausserdem nehmen viele, vor allem chronisch kranke Personen, mehrere Medikamente ein, so dass auch mehrere als Auslöser infrage kommen. Die allfällige zeitliche Verzögerung der Reaktionen erschwert die Diagnosestellung zusätzlich.

Sehr wichtig ist, dass bei Auftreten von zusätzlichen Beschwerden nach Beginn einer Therapie darüber genau Buch geführt wird. Beim Arztbesuch sollten diese Notizen und die Medikamente (auch Naturheilmittel) mitgenommen werden. Ergänzend dazu ist ein Foto allfällig aufgetretener Hautveränderungen hilfreich.

Zur Diagnosestellung sind oft weitere Untersuchungen nötig, die in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Mittels Haut- und Bluttests kann die Ursache der Beschwerden abgeklärt werden. Manchmal ist auch eine sogenannte Provokation mit einem Medikament oder mit einem Alternativpräparat nötig. Dabei gilt es auch, mögliche Reaktionen mit anderen Medikamenten aus derselben Gruppe auszuschliessen und herauszufinden, welche Medikamente vertragen werden.

Spezialuntersuchungen machen in der Regel nur Sinn, wenn es sich um eine schwere Reaktion gehandelt hat oder wenn es sich um ein wichtiges, schwer zu ersetzendes Medikament handelt.

Therapie und Behandlung

Nach Absetzen des Medikaments kommt es meistens innerhalb von Stunden (z.B. bei Nesselfieber) oder von ein paar Tagen zu einer Besserung. Mit der Gabe von Kortikosteroiden auf die Haut oder oral eingenommen, kann dieser Vorgang unterstützt werden.

Folgendes ist nach der Diagnosestellung zu beachten:

  • Der Allergiepass muss stets bei sich getragen werden, damit er in Notfällen sofort auffindbar ist, am besten im Portemonnaie. Dieser Allergiepass muss vom Haus- oder Facharzt möglichst genau und gründlich ausgefüllt sein.
  • Bei jeder Konsultation den behandelnden Arzt, Zahnarzt und Apotheker über die Medikamentenallergie informieren. Dieser hat dann die Möglichkeit, Alternativen zu wählen. Bei unklaren Situationen sind Vorbehandlungen möglich, um die Allergie zu unterdrücken.
  • Vorsicht bei Mischpräparaten, diese können mehrere Substanzen beinhalten.
  • Reaktionen nach einer Medikamenteneinnahme schriftlich festhalten: Welches Medikament wurde eingenommen, welche Reaktionen sind aufgetreten und in welcher Reihenfolge. Diese Informationen sind dem behandelnden Arzt vorzuzeigen und die eingenommenen Medikamente (auch Naturheilmittel) mitzunehmen. Bei Hautveränderungen sollten diese zusätzlich mit einem Foto fest gehalten werden.


Redaktion: aha! Allergiezentrum Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat.

 

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